Amaryllis, Ritterstern

Mit seinen großen, intensiv gefärbten Blüten erleuchtet der Ritterstern den trüben Winter. Als Topfpflanze und Schnittblume ist der Hippeastrum besonders in der Advents- und Weihnachtszeit beliebt. Da er in jeder seiner Wachstumsphasen andere Bedingungen benötigt, ist die Pflege anspruchsvoll. Die Anleitung vermittelt Ihnen das Wissen, das Sie für die artgerechte Pflege des Rittersterns benötigen.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
  • Gattung: Rittersterne (Hippeastrum)
  • Herkunft: Südamerika
  • Krautige, ausdauernde Pflanze
  • Wuchshöhe: 50 bis 90 cm
  • Blütezeit von Oktober bis April
  • Trichterförmige Blüten mit spitz zulaufenden Blütenblättern und einem Durchmesser von bis zu 20 cm
  • mögliche Blütenfarben: Rot, Weiß, Rosa, Orange, Purpur, manchmal zweifarbig
  • grundständige, schlanke und zungenförmige Laubblätter
  • mehrjährige, selbststerile Zwiebelpflanze

Im Winter erfreut der Ritterstern Pflanzenfreunde wochenlang mit seinen imposanten, leicht nickenden Blüten. Meist zieren drei oder vier Blüten jeden der kräftigen Stängel. Der Hippeastrum, der umgangssprachlich als Amaryllis bekannt ist, durchläuft jedes Jahr drei individuelle Vegetationsphasen.

Wer der stolzen Zwiebelpflanze gibt, was sie in diesen Phasen benötigt, wird mit jahrelangem Wuchs und einer großen Blühfreudigkeit belohnt. In der Pflege-Anleitung lernen Sie, wie Sie den Winterblüher richtig kultivieren, um das ganze Jahr über Freude an dem Gewächs zu haben.

Ritterstern mit großen Blüten

Der Ritterstern ist hierzulande auch unter der Bezeichnung Amaryllis bekannt. Aus botanischer Sicht ist der Name nicht korrekt. Zwar sehen sich beide Gewächse ähnlich und gehören zur Familie der Amaryllisgewächse, jedoch bilden sie jeweils eine eigene Gattung. Da war nicht immer so: Der schwedische Naturforscher Carl von Linné fasste die Amaryllis und den Hippeastrum zur Gattung Amaryllis zusammen.

Erst im 20. Jahrhundert wurde diese Gattung aufgeteilt in die einzelnen Gattungen Amaryllis und Rittersterne. Bis heute hat sich die umgangssprachliche Bezeichnung „Amaryllis“ für den Ritterstern gehalten. Die echte Amaryllis stammt allerdings aus Südafrika und der Ritterstern hat seinen Ursprung in Südamerika.

Pflege

Drei Vegetationsphasen kennzeichnen das Wachstum der subtropischen Pflanze:

  • im Winter: die Blühphase (Ausbildung von Blüten)
  • im Frühling und Sommer: die Wachstumsphase (Ausbildung von Blättern)
  • im Herbst: die Ruhephase

Während jedes Abschnitts benötigt der Ritterstern vor allem hinsichtlich des Standorts und der Nährstoffzufuhr eine andere Pflege.

Standort

Während der Blühphase

Während der Blühphase stellen Sie Ihren Ritterstern am besten in ein helles, nicht zu stark beheiztes Zimmer, so dass Sie die Blüte in vollen Zügen genießen können. Vermeiden Sie allerdings direkte Sonneneinstrahlung, da diese die empfindlichen Blütenblätter schädigen kann. Die Beleuchtung in einem regulären Wohnraum reicht aus, auch ein Standort am Fenster ist meist nicht nötig.

Die Zwiebelpflanze bevorzugt konstante Temperaturen bis etwa 20 Grad Celsius. Wer seine Amaryllis in einen Raum mit maximal 18 Grad Celsius stellt, kann die Blühzeit meist etwas verlängern.

Amaryllis, Ritterstern - als Topfpflanze oder Schnittblume

Während der Wachstumsphase

In der Wachstumsphase benötigt die Zwiebelpflanze viel Licht. Stellen Sie sie im Frühling beispielsweise auf ein Fensterbrett und lüften Sie den Raum regelmäßig. Die Zeit zwischen Mitte Mai und September verbringt der Ritterstern am besten im Freien. Hier eignet sich ein heller und halbschattiger Standort, zum Beispiel auf dem Balkon, im Garten oder auf der Terrasse.

Auch direkte Sonneneinstrahlung mag der Hippeastrum in Maßen. Ein zu dunkler Standort kann hingegen die Blütenbildung hemmen und dazu führen, dass die Blätter zu lang werden und umknicken.

Während der Ruhephase

Der Standort während der Ruhephase sollte folgende Eigenschaften aufweisen.

  • der Hippeastrum benötigt einen dunklen, trockenen und kühlen Platz. Stellen Sie den Topf beispielsweise in den Keller oder einen anderen abgedunkelten Raum
  • gleichmäßige Temperaturen um die 10 bis 16 Grad Celsius sind in der Ruhephase ebenfalls förderlich
  • solange kein Frost herrscht, kann die Pflanze auch draußen stehen bleiben. Ein schattiger oder halbschattiger und vor Regen geschützter Platz eignet sich dafür am besten

Nach rund zwei bis drei Monaten beenden Sie die Ruhephase, indem Sie den Ritterstern in ein warmes Zimmer stellen. Vorher können Sie Ihn gegebenenfalls umtopfen. Damit wird die Blühphase eingeleitet und der Winterblüher beginnt Knospen zu entwickeln. Bildet der Ritterstern keine Blüten aus, kann das daran liegen, dass die Ruheperiode zu kurz war.

Substrat

Der Ritterstern bevorzugt ein lockeres und durchlässiges Substrat. Als Basis kann reguläre Blumenerde verwendet werden, die zu gleichen Teilen mit Kakteenerde gemischt wird. Alternativ eignet sich eine Mischung aus Blumenerde, Tongranulat und Sand im Verhältnis 2:1:1. In torffreiem Kokosfasersubstrat gedeiht der Winterblüher ebenfalls sehr gut.

Pflanzen

Der Hippeastrum wird während der Blütephase häufig im Topf verkauft. Wer ihn selbst pflanzen möchte, kann Zwiebeln erwerben. Jede Zwiebel benötigt einen eigenen Topf. Dieser muss nicht groß sein: Ein daumenbreiter Abstand zwischen Zwiebel und Rand ist optimal. Die beste Pflanzzeit liegt zwischen Spätherbst und Winteranfang.

Amaryllis ist eine Zwiebelpflanze

So pflanzen Sie die Zwiebel:

  • füllen Sie den Topf mit einem geeigneten Substrat
  • platzieren Sie die Zwiebel so darin, dass die obere Hälfte herausschaut
  • drücken Sie die Erde an
  • gießen Sie den Ritterstern einmal kräftig mit lauwarmem Wasser
  • überschüssiges Wasser muss ablaufen können und wird entfernt
  • gießen Sie erst wieder, wenn der erste Trieb zu sehen ist
  • am besten entfaltet sich der Hippeastrum bei Raumtemperaturen zwischen 20 und 24 Grad Celsius

Wenn der Ritterstern Wurzeln ausgebildet hat, sprießen die ersten Triebe aus der Zwiebel. Sind diese etwa ein bis zwei Zentimeter hoch, benötigt der Winterblüher wieder Wasser und sollte gedüngt werden. Sobald die Erde leicht angetrocknet ist, sollten Sie erneut gießen. Nun dauert es etwa sechs bis acht Wochen, bis die Pflanze ihre Blüten entfaltet.

Umtopfen

Spätherbst und Winter eignet sich ebenfalls zum Umtopfen einer älteren Pflanze. Entfernen Sie die Zwiebel vorsichtig aus ihrem alten Gefäß und gehen Sie anschließend genauso vor, wie im Absatz „Pflanzen“ beschrieben. Sie können einen neuen Topf verwenden oder den alten leeren und mit neuem Substrat gefüllt wiederverwenden. Um das Wachstum zu fördern, kann der Ritterstern jedes Jahr einmal vor Beginn der Blütephase umgetopft werden. Er sollte jedoch mindestens einmal aller vier Jahre umgesetzt werden.

Gießen

Während der Blüh- und Wachstumsphasen benötigt der Ritterstern viel Wasser.

  • gießen Sie so viel, dass das Substrat feucht ist
  • da die Zwiebel leicht fault, sollte die Pflanze nicht von oben gegossen werden
  • zudem müssen Sie Staunässe unbedingt vermeiden
  • nutzen Sie am besten einen Topf mit Bewässerungslöchern, der auf einem Untersetzer steht
  • so können Sie den Ritterstern bequem von unten gießen und die Wurzeln nehmen das benötigte Wasser auf
  • Wasser, das nach etwa zehn Minuten nicht aufgenommen wurde, wird weggeschüttet
  • sobald die Erde etwas angetrocknet ist, können Sie erneut gießen

Ab August führen Sie schrittweise immer weniger Wasser zu. Dadurch simulieren Sie die Trockenphase, die die Pflanze aus ihrer subtropischen Heimat gewohnt ist. Sie leiten so die Ruhephase ein und geben der Pflanze die Möglichkeit, wichtige Nährstoffe aus den Blättern zu ziehen und in der Zwiebel zu speichern.

Ritterstern - blüht von Oktober bis April

In der Ruhephase wird sie nicht gegossen. Wenn die Zwiebel am Ende der Ruhephase neu austreibt, beginnen Sie wieder mit der Wasserzufuhr. Allerdings sollte der Trieb ein bis zwei Zentimeter hoch sein, bevor Sie ihn gießen. Fangen Sie zu zeitig an, stimuliert das den Blattwuchs, was zum Ausbleiben der Blüte führen kann.

Düngen

Während der Wachstumsphasen düngen Sie den Hippeastrum aller zwei bis drei Wochen mit Flüssigdünger oder verwenden nährstoffreiches Wasser aus einem Aquarium oder Teich zum Gießen. So unterstützen Sie den Winterblüher optimal beim Herausbilden des Laubs und Anlegen neuer Blüten. Beenden Sie das Düngen am besten im August oder September.

Alternativ können Sie im Frühjahr und Sommer je einmal Langzeitdünger wie Stäbchen oder Granulat verwenden. Wer seinen Ritterstern jedes Jahr umtopft und als Substrat-Basis vorgedüngte Erde verwendet, kann die Dünger-Dosis halbieren. In der Ruhephase darf der Ritterstern nicht gedüngt werden.

Pflege nach der Blüte

Alle komplett verwelkten Pflanzenteile sollten so schnell wie möglich entfernt werden. Während der Blühphase nehmen Sie die verwelkten Blüten ab, da diese beim Herunterfallen Flecken verursachen können. Am Ende der Blütezeit, wenn alle Blüten verwelkt sind, schneiden Sie den Blütenschaft ab. Mit Beginn der Ruhephase stellen Sie das Gießen und Düngen ein.

Das grüne Laub, das sich zuvor in der Wachstumsphase bildet hat, verwelkt nun und kann anschließend entfernt werden. Das ist meist im September der Fall. Als letztes vertrocknet der Stängel. Dieser wird knapp oberhalb der Zwiebel abgeschnitten.

Amaryllis, Ritterstern mit geschlossenen Blütenknospen

Vermehren

Wer seinen Ritterstern vermehren möchte, braucht Geduld. Bis eine Jungpflanze zum ersten Mal blühen kann, vergehen meist mehrere Jahre.

Brutzwiebeln

Die Mutterzwiebeln bilden kleine Brutzwiebeln aus, die sich an ihrer Basis befinden. Sobald eine Brutzwiebel einen Durchmesser von zwei bis drei Zentimetern erreicht hat, kann sie abgetrennt und in einen Topf gesetzt werden (siehe Absatz „Pflanzen“). Pflegen Sie die junge Zwiebel genauso wie alle anderen Rittersterne und setzen Sie sie einmal pro Jahr in ein größeres Gefäß um. Wenn die Zwiebel nach circa drei Jahren rund 8 cm im Durchmesser groß ist, wird sie zum ersten Mal blühen.

Samen

Die meisten Sorten des Hippeastrum sind selbststeril, weshalb Sie mindestens zwei verschiedene Pflanzen zur Bestäubung benötigen. Nehmen Sie den Pollen der einen zum Beispiel mit einem Wattestäbchen auf und geben ihn auf den Stempel der anderen Pflanze. Auch Schnittblumen können auf diese Weise bestäubt werden.

Bei selbstfertilen Sorten können Sie den Stempel einer Pflanze mit ihrem eigenen Pollen bestäuben. Ein paar Tage später welken die Blütenblätter und die Samen reifen im Fruchtknoten heran. Wenn sich die Samenkapsel nach vier bis sechs Wochen öffnet und die schwarzen Samen zum Vorschein kommen, können sie geerntet werden.

Aussaat

Sie füllen einen Topf mit Anzuchterde, legen die Samen darauf und drücken sie vorsichtig an. Das Substrat muss nun gleichmäßig feucht gehalten werden. Am besten decken Sie den Topf mit einem durchsichtigen Beutel ab, um ein feucht-warmes Klima zu schaffen. Um Schimmel zu vermeiden, heben Sie die Abdeckung einmal am Tag an und lüften. Innerhalb von zwei bis vier Wochen werden die Samen keimen.

Anzucht

Wenn die Sämlinge rund fünf Zentimeter groß sind, können Sie die Abdeckung dauerhaft entfernen. Die Sämlinge benötigen keine Ruhephase, sondern werden durchgängig bis nach der ersten Blüte gegossen und kultiviert. Bis dahin können bis zu fünf Jahre vergehen. Ein heller Standort in der Wohnung ist optimal, jedoch sollten die jungen Rittersterne vor der Mittagssonne geschützt werden.

Überwintern

Der Ritterstern ist frostempfindlich und verträgt keine Temperaturen unter Null Grad Celsius. Im Winter während ihrer Blühphase wird sie deswegen drinnen gehalten.

Ritterstern erleuchtet als Zimmerpflanze den trüben Winter

Giftstoffe

Alle Teile des Rittersterns enthalten Alkaloide, die stark giftig sind. Die höchste Konzentration findet sich in der Zwiebel. Das Gewächs sollte außerhalb der Reichweite von Kindern und Tieren aufgestellt werden, da bereits der Verzehr kleinster Pflanzenteile Übelkeit, Benommenheit, Durchfall und andere Vergiftungserscheinungen auslösen oder sogar zum Tod führen kann. Der Hautkontakt mit dem Pflanzensaft kann zudem Reizungen oder Ausschlag hervorrufen. Gehen Sie daher vorsichtig mit dem Ritterstern um.

Schädlinge

Wenn der Hippeastrum während der Wachstumsphase draußen steht, wird er manchmal von Schnecken befallen. Sie fressen vor allem die Zwiebeln an. Sobald Sie Schleimspuren und angeknabberte Pflanzenteile entdecken, sollten Sie schnell handeln, um größere Schäden zu vermeiden. Sie können beispielsweise einen Schneckenzaun um die Pflanzen herum errichten oder die Schädlinge mit Schneckenkorn, einem Schädlingsgift, bekämpfen.

Sorten

Rund 80 Arten des Rittersterns sind bekannt. Sie teilen sich in unzählige Sorten auf, bei denen es sich fast ausschließlich um Hybriden handelt. Sie unterscheiden sich in erster Linie durch die Farbe ihrer Blütenblätter.

Es gibt viele einfarbige Sorten wie die hellrot blühende Calimero, die pink blühende Pink Floyd, die weiß blühende Antarctica, die rot-schwarz blühende Black Pearl oder Tinto Night, deren Blüte eine intensive, dunkelrote Farbe annimmt. Zudem gibt es Rittersterne mit unterschiedlich gemusterten Blüten. Die Sorten Minerva, Gilmar und Clown besitzen beispielsweise verschiedene Muster in Rot und Weiß.