Digitalis, Fingerhut

Der Fingerhut ist eine Sommerpflanze, die nicht nur an Waldlichtungen oder Wegrändern in ihrer Farbenpracht zu bewundern ist, sondern auch eine beliebte Pflanze im heimischen Garten. Hier betören seine Blüten in apricotfarbenen, rosa, gelben oder weißen Nuancen. Fingerhüte bevorzugen schattige Plätze und blühen zweijährig. Damit auch die Fingerhüte in Ihrem Garten perfekt gedeihen, gibt Ihnen diese Pflege-Anleitung nützliche Tipps und Hinweise.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Wegerichgewächse, Plantaginaceae
  • Gattung: Fingerhüte, Digitalis
  • Ordnung: Lippenblütlerartige, Lamiales
  • Art: 25 verschiedene Arten
  • Trivialnamen: Waldschellen, Waldglöcklin,  für roten Fingerhut: Fuchskraut, Fingerkraut
  • Herkunft: zweijährige, kurzlebige Staude
  • Wuchshöhe: zwischen 60 bis 150 cm
  • Blütezeit: Juni bis August
  • Farbe: rot, gelb, apricotfarben, weiß, rosa
  • alle Pflanzenteile sind stark giftig

Der Fingerhut bzw. Digitalis mit seinen röhrenartigen, glockenförmige Blüten ist zugleich Gift- und Heilpflanze. Er zählt zur Gattung der Rachenblütler und kommt in 25 verschiedene Arten vor. Diese breiten sich von Mittelasien bis zu den kanarischen Inseln aus.

Im mitteleuropäischen Raum finden sich sechs verschiedene Arten des Fingerhutes. Andere Sorten sind in Südeuropa beheimatet und blühen teilweise wild.  Weit verbreitet ist hier der rote Fingerhut, der auch als Digitalis purpurea, Fuchskraut oder Fingerkraut bekannt ist.

Digitalis, Fingerhut

Neben dem hier heimischen Waldfingerhut, der meistens von roter oder rosa Farbe ist, gibt es noch weitere Arten wie beispielsweise den großblütigen Fingerhut, Digitalis grandiflora, der in höheren Lagen vorkommt. Auch der zierlichere gelbe Fingerhut, Digitalis lutea, ist hier beheimatet. Er erreicht lediglich eine Größe von ca. 60 cm.

Pflege

Der Fingerhut ist recht anspruchslos und benötigt keine spezielle Pflege. Die folgende Pflege-Anleitung informiert Sie über die Ansprüche und Bedürfnisse der Pflanze und gibt Tipps zum Standort, der Bodenbeschaffenheit, der  Vermehrung und vielem mehr.

Standort

Fast alle Fingerhut-Arten benötigen humusreichen, mäßig feuchten Boden. Dieser sollte außerdem kalkarm und durchlässig sein und über viele Nährstoffe verfügen. Fingerhüte bevorzugen halbschattige Standorte, wie etwa im wandelnden Schatten von lichten Bäumen.  Bei ausreichend feuchtem Boden gedeihen sie jedoch auch an sonnigen Plätzen.

Bei schwereren Böden ist es nützlich, diesen mit Humus und kleinen Steinen aufzuwerten. Die Steine sorgen dafür, dass sich das Erdreich nicht verdichtet und die Wurzeln des Fingerhutes sich besser entwickeln können. Der Rote Fingerhut fühlt sich in Steingärten nicht wohl, dieses hängt aber in der Regel nicht vom Standort, sondern vielmehr von dessen Substrat ab.

Der Fingerhut ist sehr gut geeignet für natürlich gestaltete Gärten wie Bauern- oder Heidegärten. Er kann gut mit Polsterpflanzen, Farnen und dunklen Nadelgehölzen kombiniert werden. Auch in sonnig gelegenen Hügel- und Zierbeeten wächst der Fingerhut ohne Probleme.  Er ist ebenso geeignet im Bereich von Bäumen oder in Vorpflanzungen von Ziersträucherrabatten.

Digitalis, Fingerhut mit anderer Blütenform

Der Fingerhut ist zusammen mit anderen Halbschattengewächsen wie Elfenblume, Waldstein, Silberkerze, Ballonblume, Schaumblüte sowie verschiedenen Gräsern ein Blickfang in jeden heimischen Garten. Es bietet sich an, den Fingerhut farblich zu mischen. Zum Beispiel kommt eine Kombination aus drei bis zehn Pflanzen des Großblütigen Fingerhutes in Frage. Der Rote Fingerhut kommt mit zehn bis zwanzig Pflanzen ideal zur Geltung.

Alle Pflanzenteile des Fingerhutes sind giftig. Er gilt sowohl als Gift- und Heilpflanze. Aufgrund der im Fingerhut enthaltenen Digitalis-Glycoside, kommt er in geringen Dosierungen in der Herztherapie zum Einsatz. Es ist ratsam an Spielplätzen oder in Gärten und Anlagen, wo sich viele Kinder aufhalten, keinen Fingerhut anzupflanzen.

Pflanzen

Wenn Standort und Substrat gut zusammenpassen, sorgt der hochgiftige Fingerhut fleißig selbst für seine Verbreitung. Wenn Sie den Fingerhut jedoch gezielt an einem Standort kultivieren möchten, sollten Sie die Pflanzung des Gewächses selbst vornehmen. Die feinen Samen werden im Freiland über das vorbereitete Beet gestreut und anschließend leicht angedrückt.

Da Fingerhüte  Lichtkeimer sind, dürfen sie Sie nicht mit Substrat bedecken. Die ersten Triebspitzen zeigen sich in der Regel ab Mai, denn dann steigen langsam die Temperaturen wieder an. Stehen Digitalis Pflanzen zu nah beieinander, sollten Sie sie auseinandersetzen. Der ideale Abstand beträgt ca. 25 Zentimeter. Wenn Sie die Samen des Fingerhutes im Frühjahr oder im Sommer in einen flachen Anzuchtkübel einstreuen, ist es möglich, dass sich so die Keimchancen deutlich erhöhen.

Stellen Sie das Gefäß an einen halbschattigen Platz ins Freiland. Steigen die Temperaturen auf ca. 18 Grad Celsius, kommt es zur schnellen Keimung. Die Anzuchtgefäße sollten unbedingt perforiert sein. Wichtig ist auch, dass sie das Substrat stets feucht halten.

Wenn Sie Samen ausgesät haben, ist es ratsam die betreffende Stelle zu markieren. Das kann durch flache Steine erfolgen. Sie bewahren so immer die Übersicht über die Aufteilung Ihres Zierbeetes.

Digitalis ist in allen Pflanzenteilen stark giftig

Im Herbst ist es Zeit, den Fingerhut um- bzw. auszupflanzen. Am neuen Standort ist jetzt das Erdreich vorzubereiten und von Unkraut, großen Steinen sowie Wurzeln zu befreien. Kieselsteine dürfen in der Erde verbleiben, denn sie haben auflockernde Wirkung und sorgen dafür, dass sich der Boden nicht verdichtet. Anschließend wird der Boden aufgelockert und mit einer ausreichenden Menge Humus angereichert.

Die einzelnen Pflanzschritte:

  • die Pflanzen sind vorsichtig in das vorbereitete Loch einzusetzen
  • das Substrat wird zurückgefüllt und leicht angedrückt
  • zwischen den Gewächsen sollte ein Mindestabstand eingehalten werden
  • die Pflanzen werden mit kalkarmen Wasser gegossen

Bitte beachten Sie, dass Sie Fingerhutpflanzen nicht in unmittelbarer Nähe von essbaren Pflanzen oder im Gartenbereich, der für Kinder bestimmt ist, aussäen. Digitalis ist stark giftig und kann schon beim Verzehr geringer Mengen der Blüten oder Blätter tödlich wirken.

Es ist dringend davon abzuraten, die Pflanze selbständig für medizinische Zwecke einzusetzen. Sie gilt zwar auch als Heilpflanze, Sie sollten jedoch auf dosierte und verarbeitete Produkte zurückgreifen, die in der Apotheke erhältlich sind.

Gießen

Digitalis fühlt sich wohl in leicht feuchter Erde. Sogar kurze Trockenphasen sind für die Pflanze schädlich. Ihr Wachstum wird gehemmt und auch die Entwicklung der Blüten leidet unter der Trockenheit. Von April bis September sollten Sie daher Ihre Fingerhüte regelmäßig gießen. Der Feuchtigkeitsgehalt des Substrats ist ebenfalls jeden Tag zu überprüfen. Achten Sie darauf, die Pflanzen nicht zu übergießen.

Digitalis auch Fuchskraut oder Fingerkraut genannt

Weniger ist hier oft mehr. Sie sollten zwar regelmäßig gießen, aber hier ist die Menge entscheidend. Vom Erdreich kann nur eine bestimmte Menge an Feuchtigkeit aufgenommen werden. Sie sollten daher am Tag häufiger nachgießen und die Pflanze nicht jeden zweiten Tag mit einer zu großen Wassermenge ertränken. Besonders wichtig ist, dass Sie zum Gießen kalkfreies Wasser verwenden.

Düngen

Auf Flüssig- oder Langzeitdünger kann in Zier- und Nutzgärten verzichtet werden, wenn diese regelmäßig mit Kompost, Hornspänen oder Mist angereichert oder gemulcht werden. Der Fingerhut gehört zu den Pflanzen, die eine natürliche und biologische Nährstoffversorgung bevorzugen.

Fingerhut ist ein zweijähriges Gewächs, daher reicht die geringe Gabe von Kompost im Frühling und im Spätsommer aus. Sie sollten den Kompost nur leicht um die Pflanze herum in den Boden einarbeiten.

Schneiden

Digitalis ist eine kurzlebige Pflanze. Deshalb kann auf einen Rückschnitt des Gewächses in der Regel verzichtet werden. Fingerhut eignet sich jedoch sehr gut als Schnittblume. Dazu sind die Stängel in der entsprechenden Länge abzuschneiden. Dies sollte zu dem Zeitpunkt erfolgen, wenn  zwei Drittel der Knospen geöffnet sind.

Damit Sie auch in der Vase lange etwas von der Blütenpracht des Fingerhutes haben, sollten Sie die Stängel alle zwei Tage um ein paar Zentimeter kürzen und das Wasser wechseln. Sie können die Blütezeit der Waldschelle verlängern, indem Sie die welken Blütenstände entfernen, noch ehe sie neue Samen daraus entwickelt. Es kommt häufig vor, dass die Pflanze im Folgejahr einen weiteren Blütenflor ausbildet, der jedoch etwas schwächer ausfallen kann, als bei der ersten Blüte.

Bei allen Pflege- und Schnittmaßnahmen im Zusammenhang mit dem Fingerhut sollten Sie unbedingt Gartenhandschuhe tragen. Nicht ohne Grund wurde die Pflanze im Jahr 2007 zur Giftpflanze des Jahres gekürt. Der Fingerhut verursacht bei empfindlichen Personen schon bei geringem Kontakt mit der Haut Ausschläge oder Rötungen.

Fingerhut wächst bis zu 150 Zentimeter hoch

Überwintern

Beim Fingerhut handelt es sich um ein sehr robustes Gewächs. Es kommt ohne einen speziellen Schutz durch die kalten Monate des Jahres, ohne dabei beschädigt zu werden. Es schadet jedoch keineswegs, wenn das Substrat mit Rindenmulch oder mit welken Blättern abgedeckt wird.

Diese Schicht schützt das Erdreich vor Schäden durch starken Frost. Zusätzlich sorgt die langsame Zersetzung von Blättern und Mulch für eine gute Mineralstoffversorgung des Substrats.

Vermehren

Die Blütezeit von Digitalis ist nur von kurzer Dauer. Die Pflanze blüht in der Regel von Juni bis in den August, je nach Temperatur und Witterung. Erst im zweiten Standjahr bilden sich bei vielen Fingerhut-Arten die trichterförmigen, farbenprächtigen Blüten aus. Über die Samen lässt sich das Gewächs sehr gut vermehren. Dafür sollten Sie die Samen nach der Reife im Spätsommer absammeln.

Sie können aber genauso gut auch warten, bis sich die Pflanze selbstständig aussät. Die Samenkapseln werden durch Wind jedoch leicht weggeweht. So kommt es oftmals vor, dass Digitalis an Orten wächst, wo sie eigentlich unerwünscht ist. Die Pflanzen sind im Garten versetzt zu pflanzen, um in jedem Jahr eine volle Blütenpracht genießen zu können.

Es ist wichtig, das Sie nicht alle Samen gleichzeitig aussäen, sondern die Aussaat auf mehrere Monate verteilen. Die zweite Generation der Pflanze keimt dann erst im folgenden Jahr.

Krankheiten

Der Fingerhut wird selten von schädlichen Insekten heimgesucht. Es kommt jedoch hin und wieder vor, das sich Blattläuse auf den Pflanzen niederlassen, um den gehaltvollen Zellsaft des Gewächses aufzunehmen. Eine recht häufige Krankheit bei Fingerhüten ist der Befall mit Pilzerregern. Hier können Sie jedoch bereits vorher Maßnahmen treffen, um Pilzkrankheiten auszuschließen.

Digitalis blüht von Juni bis August

Blattfleckenkrankheit

Die Blattfleckenkrankheit kommt ebenfalls bei Digitalis-Pflanzen vor. Hier entstehen fleckenähnliche Gebilde auf den Blättern. Diese werden durch Bakterien und Viren hervorgerufen. Die Blattflecken treten in den Farben Braun, Rot, Gelb oder Schwarz auf. Häufig machen sie sich auch als Pilzrasen auf der Oberfläche bemerkbar. Eine gute Pflege der Digitalis ist wichtig.

Bei gesunden Pflanzen kommt es seltener zu einem Befall mit Krankheiten als bei schwächeren Gewächsen. Die betroffenen Blätter sollten Sie umgehend entfernen. So können Sie die Blattfleckenkrankheit an ihrem Fortschreiten hindern. Wenn sich die Krankheit jährlich wiederholt, ist über einen Wechsel des Standortes nachzudenken. Zumindest sollte der alte Boden durch neues Substrat ersetzt werden.

Befall mit echtem Mehltau

Die Erreger des Echten Mehltaus machen auch vor dem Fingerhut nicht Halt. Sind die Gewächse durch lange Trockenheitsphasen oder warme Sommertage geschwächt, haben Mehltau-Erreger beste Voraussetzungen, die Pflanzen zu befallen. Man spricht bei Mehltau auch von Schönwetter-Pilz. Er zeigt sich durch eine staubige, mehlig-graue Schicht auf den Oberflächen der Triebe und Blätter. Die leicht staubende Schicht ist abwischbar.

Falschen und Echten Mehltau wirkungsvoll bekämpfen oder diesem vorzubeugen:

  • das Substrat darf nicht abtrocknen
  • der Mindestabstand zwischen den Pflanzen ist einzuhalten
  • kranke Pflanzenteile sind umgehend abzuschneiden und zu entsorgen
  • die Pflanzen sollten mit einem Milch- und Molke-Sud besprüht werden
  • betroffene Pflanzen mit Brennnessel-Sud gießen

Schädlingsbekämpfungsmittel oder chemische Fungizide sind nur in Ausnahmefällen einzusetzen. Das kann der Fall sein, wenn der Echte Mehltau  trotz aller Vorbeugungs- und Bekämpfungsmaßnahmen nicht einzudämmen ist.

Hier sollten Sie wirksame Mittel aus dem Fachhandel verwenden. Sie sollten auf keinen Fall versuchen, den Belag von den Pflanzen zu entfernen, denn so sorgen Sie dafür, dass sich die Pilzsporen weiterverbreiten. Auch der Erreger lässt sich auf diese Weise nicht vernichten.

Digitalis, Fingerhut ist eine schöne Sommerpflanze

Wurzelfäule am Fingerhut

Die Wurzelfäule kann ebenfalls zum Problem des Fingerhuts werden. Feuchter und humusreicher Boden wirkt sich auf das Wachstum der Digitalis im Normalfall positiv aus. Aber auch der Fingerhut neigt zum Befall mit Wurzelfäule.

Diese wird durch Pilzerreger hervorgerufen. Die Krankheit ist meist Folge von verdichtetem Erdreich und besonders von Staunässe. Die Wurzel wird von Krankheitserregern befallen und fault langsam weg bis zu Ihrer völligen Zersetzung. Bis jetzt ist noch kein wirksames Mittel gegen die Wurzelfäule erhältlich. Aber auch hier können Sie etwas gegen den Befall Ihrer Digitalis-Pflanzen tun. Sie sollten die Wassermenge reduzieren, dafür aber häufiger gießen.