Rubus idaeus, Himbeere

Himbeeren aus eigenem Anbau übertreffen die Früchte am Waldesrand in jeder Hinsicht. Wer die modernen Sommer- und Herbstsorten miteinander kombiniert, dehnt die Erntezeit saftig-süßer Beeren auf mehrere Monate aus. Die Anforderungen an Pflanzen, Pflege und Schneiden sind weniger komplex, als es den Anschein hat. Diese Anleitung geleitet Sie Schritt für Schritt durch die erfolgreiche Kultivierung der langlebigen Beerensträucher.

Steckbrief

  • sommergrüner Strauch innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae)
  • Himbeere als Pflanzenart der Untergattung Rubus
  • Spreizklimmer mit 60 bis 200 cm langen, niederliegenden Ranken
  • Ruten mit gegenständigen Fiederblättern und feinen Stacheln
  • weiße Blütenrispen von Mai bis August
  • Erntebeginn der Sommersorten Ende Juni/Anfang Juli
  • Erntebeginn der Herbstsorten Anfang/Mitte August
  • erste Blüte und Ernte ab dem 2. Standjahr
  • Beerenfarben: rot, gelb oder schwarz
  • winterhart und langlebig bis zu 10 Jahre

Sie gedeihen als saftig-süße Fruchtpralinen an dekorativ blühenden Sträuchern. Um Himbeeren frisch zu naschen oder zu aromatischen Spezialitäten zu verarbeiten, müssen Sie sich nicht im Wald auf Beerenernte begeben. Dank moderner Kultursorten ernten Sie im eigenen Garten die wertvollen Vitaminbomben, die den Wild-Himbeeren hinsichtlich Geschmack und fruchtigem Volumen überlegen sind.

Himbeeren selber anbauen

Pflege

Ein sonniger Standort mit nährstoffreicher, locker-durchlässiger Erde ist bereits die halbe Miete. Sommer- und Herbstsorten garantieren dabei für monatelangen Fruchtgenuss. Lesen Sie hier, wie Sie Himbeeren erfolgreich pflanzen, pflegen und schneiden für eine reiche Ernte in Premium-Qualität.

Die Sommer- und Herbsthimbeeren unterscheiden sich nicht nur hinsichtlich ihrer Blüte- und Erntezeit. Darüber hinaus punkten die späteren Sorten mit einer hohen Resistenz gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Ferner blühen und fruchten sie sowohl an den einjährigen als auch an den diesjährigen Trieben, was insbesondere für Anfänger die Kultivierung erheblich vereinfacht.

Pflanzen

Wenngleich Himbeeren selbstfruchtbar sind, erweist sich die Bestäubung durch benachbarte Sorten als vorteilhaft für Blütenreichtum und Ernteertrag. Greifen Sie bitte zu Qualitätspflanzgut aus einer Markenbaumschule, da Ableger von befreundeten Hobbygärtnern von nicht sichtbaren Krankheiten befallen sein können. Planen Sie mindestens 2 Beerensträucher für die Pflanzung ein sowie einfache Erziehungssysteme, da die Triebe zwar über Dornen, jedoch nicht über Haftorgane verfügen. Alle relevanten Details rund um die vorbildliche Pflanzung haben wir im Folgenden für Sie zusammengetragen.

Standort

Zu den tragenden Säulen für einen erfolgreichen Anbau von Himbeeren zählt die Wahl des Standortes.

Schenken Sie daher bitte den folgenden Rahmenbedingungen Ihre besondere Aufmerksamkeit:

  • sonnige bis halbschattige Lage für Sommersorten
  • vollsonniger Standort für Herbsthimbeeren
  • idealerweise warm und windgeschützt

Lassen Sie alle Beete außer Betracht, an denen in den Vorjahren bereits Himbeeren standen. Eine Fruchtfolge von 4 bis 5 Jahren beugt Bodenmüdigkeit mit den negativen Folgen effektiv vor. Nach einer Standzeit von bis zu 10 Jahren, haben Himbeersträucher das Erdreich derart ausgelaugt, dass eine Anbaupause von mindestens 4 Jahren unumgänglich ist.

Bodenbeschaffenheit

In nährstoffreicher, humoser und frischer Erde erfüllen alle Himbeeren die Erwartungen. Das gilt insbesondere in gut durchlässigem Boden, da Staunässe den Flachwurzlern stets ein vorzeitiges Ende bereitet. Perfekt geeignet für den Anbau von Rubus idaeus ist ein Beet mit einem pH-Wert von 5,5 bis 6,5. Wo die Bodenbeschaffenheit an die Idealbedingungen nicht heranreicht, gleichen Hilfsstoffe die Mängel aus.

Verdichtetes, zu feuchtes Substrat erhält mit Sand und Lauberde eine lockere, durchlässige Struktur. Zu sandiger, magerer Boden wird optimiert mit reifem Kompost oder Rindenhumus. Die Zugabe von Moorbeeterde wirkt sich reduzierend auf den pH-Wert aus.

Rubus idaeus im Gartenbeet

Pflanzzeit

Der Herbst ist ab Mitte/Ende September bis Anfang November die ideale Pflanzzeit für Himbeeren. Zu dieser Jahreszeit hat der Boden die Sonnenwärme noch gespeichert, was den jungen Wurzeln ausgezeichnete Startbedingungen offeriert. Bis zum Beginn des Winters ist die Verwurzelung abgeschlossen, sodass die Himbeersträucher im nächsten Jahr mit einem vitalen Wachstumsvorsprung in die Saison starten.

Fest zementiert ist die herbstliche Pflanzzeit gleichwohl nicht. Als Alternative bietet sich das zeitige Frühjahr an, sobald der Boden vollständig aufgetaut ist und eine Temperatur von mindestens 10 Grad Celsius dominiert.

Kletterhilfe

Da den Ranken spezielle Haftorgane fehlen, erhalten Himbeersträucher eine Kletterhilfe. Im Rahmen der Pflanzung werden die Triebe daran befestigt, weil sie andernfalls niederliegend auf dem Boden wachsen, blühen und fruchten. Bereits eine einfache Konstruktion aus 1,50 m hohen Holzpfosten mit dazwischen gespannten Drähten erfüllt den Zweck.

Bringen Sie die Spanndrähte bitte im Abstand von 40, 80 und 120 cm an. Sofern Sie Himbeeren in mehreren Reihen anbauen möchten, bemessen Sie den Abstand mit mindestens 150 cm, damit für einen Arbeitsweg genügend Platz zur Verfügung steht.

Pflanztechnik

Nachdem Sie den Boden 2 Spaten tief umgegraben und das Erziehungssystem aufgebaut ist, heben Sie im Abstand von 50 cm geräumige Pflanzgruben aus. Dem Aushub geben Sie Laubkompost, Rindenhumus oder Beerendünger hinzu. Derweil wird jeder eingetopfte Wurzelballen solange in Wasser getränkt, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen.

So verfahren Sie weiter:

  • jede Pflanzgrube auskleiden mit einer Wurzelsperre aus stabiler Teichfolie oder unverrottbarem Geotextil
  • darin jeweils einen wassergetränkten, ausgetopften Himbeerstrauch mittig einsetzen
  • die bisherige Pflanztiefe möglichst beibehalten, die Erde fest andrücken und gießen
  • alle Ruten einkürzen bis auf 30 cm, maximal 50 cm Länge

Mulchen Sie abschließend das Beet 5 cm hoch mit Grasschnitt, Beinwellblättern, Farnkraut, Laubkompost oder Tannennadeln. Für das Wachstum ist es wichtig, dass Sie eine junge Himbeere nicht tiefer setzen, als sie sich im Anzucht-Container befand. Die Wurzelscheibe sollte mit dem Boden bündig abschließend und nur sehr dünn oder überhaupt nicht mit Erde bedeckt werden, um darüber die Mulchschicht auszubreiten.

In der täglichen Gartenpraxis hat sich herausgestellt, dass die Pflanzung auf einem kleinen Hügel vorbeugend wirkt gegen Wurzelfäulnis und Krankheiten. Schütten Sie in diesem Fall entlang der Rankhilfe einen 30-50 cm hohen Wall auf aus nährstoffreicher, humoser Erde, um die Himbeersträucher darin einzusetzen.

Himbeeren, Rubus idaeus im eigenen Garten ernten

Gießen

Da Himbeersträucher als Flachwurzler nicht bis in die tiefer gelegenen Wasserschichten vordringen, ist regelmäßiges Gießen wichtig. Unmittelbar nach der Pflanzung sollte bei trockener Witterung täglich gewässert werden, bis ein frischer Austrieb den erfolgreichen Verlauf der Wurzelbildung signalisiert. Prüfen Sie in der Folge alle 2-3 Tage per Daumenprobe das Substrat. Sind die oberen 2 cm angetrocknet, besteht Gießbedarf.

Nach der Blüte bis zum Beginn der Ernte erhöht sich der Wasserbedarf noch, sodass hier tägliche Kontrollen unverzichtbar sind. Eine ausgewogene Bodenfeuchte sollte das Ziel sein, denn sowohl Trockenheit als auch Staunässe beeinträchtigen Wachstum und Vitalität erheblich.

Düngen

Als Starkzehrer, sind Himbeeren auf eine ergänzende Nährstoffzufuhr angewiesen. Um die saftig-fruchtigen Früchte unbeschwert genießen zu können, stehen organische Dünger mit Fokus. Neben der Qualität des Düngematerials, ist der Zeitpunkt respektive die Dauer von Relevanz.

So handhaben Sie das Pflegethema richtig:

  • im März/April düngen mit Laubkompost, Hornspänen oder gut verrottetem Schweinemist
  • im Juni ein weiteres Mal organisch düngen
  • ergänzend das organische Düngematerial überbrausen mit kaliumreicher Beinwelljauche

Wo kein Zugriff auf organische Dünger besteht, verwenden Sie im April und Juni speziellen Beerendünger. Dieser wird in einer Dosierung von jeweils 60 bis 80 Gramm je Quadratmeter ausgestreut, oberflächlich eingeharkt und kräftig gewässert.

Jäten

In den ersten beiden Jahren befinden sich junge Himbeersträucher in einem permanenten Konkurrenzkampf mit Unkräutern. Infolge des wettbewerbsschwachen Flachwurzelsystems, ist regelmäßiges Jäten ein wichtiger Bestandteil im Pflegeprogramm. Um den Wurzeln möglichst keinen Schaden zuzufügen, zupfen Sie das Unkraut idealerweise von Hand aus. Auf größeren Beetflächen harken Sie bitte so vorsichtig, dass Ruten und Wurzeln nicht verletzt werden.

Jede noch so kleine Wunde wird von Pilzsporen und Schädlingen als Eintrittspforte für einen Befall genutzt. Die empfohlene Mulchschicht trägt ebenfalls dazu bei, das Unkraut zu unterdrücken. Wahlweise ersetzt eine schwarze Mulchfolie das natürliche Mulchmaterial, sofern Sie sich durch das Erscheinungsbild im Beet nicht gestört fühlen.

Schneiden

Während Sommer- und Herbsthimbeeren in Punkto Standort, Pflanzen und Pflege an einem Strang ziehen, gilt dies nicht für den Rückschnitt. Es gibt Unterschiede zu beachten hinsichtlich Termin und Schnittführung.

So geht es:

Sommer-Himbeeren

Ziel der Schnittmaßnahmen ist, je laufendem Meter 10 bis 12 gesunde, ertragsstarke Ranken zu kultivieren. Haben die neuen Ruten im Frühjahr eine Wuchslänge von 20-30 cm erreicht, ist dies der perfekte Zeitpunkt für die Selektion. Schwache, kränkliche Triebe schneiden Sie an der Basis ab. An einem Himbeerstrauch entfernen Sie unmittelbar nach der Ernte noch im Herbst alle abgetragenen Ranken bodennah.

Die Ruten dieser Saison bleiben unberührt, da sie im nächsten Jahr blühen und fruchten. Diese Triebe binden Sie stattdessen parallel zum Fortschritt des Wachstums an der Rankhilfe fest. Fernerhin sollten ganzjährig steil aufwärts gerichtete Wildtriebe abgeschnitten oder abgerissen werden.

Herbst-Himbeeren

Im Hausgarten erfreuen sich Herbstsorten nicht zuletzt deshalb großer Beliebtheit, weil sie einfacher zu schneiden sind. Nach der Ernte schneiden Sie alle Ranken bis knapp über dem Boden ab – fertig. Im Frühling lichten Sie jeden Beerenstrauch gründlich aus, um schwächelnde Ruten zu entfernen. Wo mehr als 15 Ranken je laufendem Meter sprießen, treffen Sie eine Auswahl der vitalsten Exemplare und dünnen den Rest aus.

Vermehren

Haben Ihre Himbeersträucher die ganze Familie auf den fruchtig-frischen Geschmack gebracht, deckt die Ernte den Bedarf nicht mehr ab. Um weitere Exemplare mit exakt den gleichen Attributen zu züchten, kommt eine vegetative Vermehrung in Betracht. Dabei haben Sie die Wahl zwischen Wurzelschnittlingen und Absenkern. Diese beiden Varianten werden im Folgenden näher beleuchtet.

Himbeeren vermehren

Wurzelschnittlinge

Solange im Herbst der Boden nicht gefroren ist, steht Ihnen diese unkomplizierte Methode der Vermehrung zur Verfügung.

So gehen Sie dabei sachgemäß vor:

  • kräftige Wurzelausläufer mit dem Spaten von der Mutterpflanze trennen
  • die Rhizome mit einer Schere in 10-12 cm lange Stücke schneiden
  • an einem geschützten Standort im Garten ein humoses, feinkrümeliges Beet mit Rankhilfe anlegen
  • darin die Wurzelschnittlinge 10 cm tief im Abstand von 30-40 cm in die Erde setzen

Entfernen Sie nicht die Feinwurzeln von den Ausläufern. Achten Sie beim Pflanzen ins Beet auf die richtige Ausrichtung mit aufwärts gerichteten Augen und abwärts gerichteten Feinwurzeln. Nachdem Sie die Rhizome gegossen haben, breiten Sie eine dicke Laubschicht oder Stroh darüber aus als wärmender Winterschutz. Im nächsten Frühjahr kürzen Sie die jungen Ruten einmalig bis auf 10 cm ein, um das Wachstum weiterer Jungtriebe zu forcieren.

Absenker

Da sich die Ruten einer Himbeere problemlos biegen lassen, geht die Vermehrung mit Absenkern besonders leicht von der Hand.

So funktioniert es:

  • im Frühsommer einen nicht blühenden Trieb zu Boden ziehen
  • wo die Ranke die Erde berührt, eine 10 cm tiefe Furche ziehen
  • die junge Rute in diesem Bereich entlauben, eingraben, die Erde andrücken und gießen
  • die Triebspitze senkrecht an einem Holzstab anbinden

Diese Vorgehensweise punktet mit dem Merkmal, dass die Mutterpflanze den Absenker weiterhin mit allen wichtigen Nährstoffen versorgt. Wenn Sie auf leichten Zug an Trieb einen deutlichen Widerstand spüren, hat sich ein kräftiges Wurzelsystem gebildet. Daraufhin trennen Sie den Absenker von der Mutterpflanze, graben den Wurzelballen aus und pflanzen die junge Himbeere am sonnigen Standort in die frische, fruchtbare Erde.

Himbeere - ein sommergrüner Strauch

Krankheiten

Häufig werden Himbeeren befallen mit der Rutenkrankheit. Hierbei nutzen Pilzsporen kleinste Verletzungen am Rindengewebe oder an den Wurzeln, um ins Innere der Pflanze vorzudringen. Erkennbares Symptom sind hellgraue, später braun-violette Flecken auf den jungen Ruten. Diese breiten sich unaufhaltsam aus, sodass am Ende der gesamte Strauch in seiner Existenz bedroht ist.

Vorbeugend sollten alle Pflegearbeiten mit Bedacht ausgeführt werden, um Verletzungen an der Himbeere zu vermeiden. Kommt es zu einem Befall, schneiden Sie die betroffene Pflanze bodennah ab und tauschen den Boden aus. Besser ist, Sie roden den infizierten Himbeerstrauch, um einer weiteren Ausbreitung im Garten entgegenzuwirken.

Schädlinge

Es ist der Himbeerkäfer, der einen vollständigen Ernteausfall verursachen kann. Im Mai und Juni legen die 4-5 mm kleinen Käfer ihre Eier in den Blüten ab. Die daraus schlüpfenden Larven ernähren sich vom Fruchtfleisch. Wiederholte Spritzungen mit Rainfarntee in den Wochen vor der Blüte halten die Käfer von der Eiablage ab. Bei einem Befall können Sie im frühen Stadium mit Spruzid Schädlingsfrei von Neudorff gegen die Plage vorgehen.

Sie gehen einer Konfrontation mit dem Himbeerkäfer aus dem Weg, wenn Sie gezielt Herbst-Himbeeren anbauen. Hier erscheinen die Blüten erst dann, wenn die Weibchen ihre diesjährige Eiablage beendet haben.