Ipomoea, Prunkwinden

Den ganzen Sommer hindurch stellt die Prunkwinde ihre fulminante Blütenfülle zur Schau. Als emsige Schlingpflanzen offerieren uns tropische Ipomoea-Arten eine Fülle kreativer Szenarien, die Beet, Fassaden und Balkon in ein himmlisches Blütenparadies verwandeln. Deklariert als genügsam und anspruchslos, kommt die Trichterwinde ohne gärtnerische Zuwendung dennoch nicht aus. Diese Pflege-Anleitung erläutert praxisnah, worauf die malerische Kletterkünstlerin wirklich Wert legt.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie Windengewächse (Convolvulaceae)
  • Gattung Prunkwinden (Ipomoea)
  • weitere Bezeichnung: Trichterwinde, Kaiserwinde
  • 3 Untergattungen mit mehr als 650 Arten
  • krautige bis verholzende Schlingpflanzen
  • farbenfrohe Trichterblüten mit bis zu 20 cm Durchmesser
  • Kelchblätter borstig oder fein behaart
  • Blütezeit von Juni bis zum ersten Frost
  • dekorative Blätter in mannigfaltigen Formen
  • mehrheitlich beheimatet in den Tropen und Subtropen, seltener am Mittelmeer
  • Länge der Ranken bis zu 400 cm
  • Temperaturminimum 10 Grad Celsius
Ipomoea, Prunkwinden
Ipomoea, Prunkwinden

Sie überflutet den sommerlichen Garten mit riesigen Trichterblüten, die über schmucken Blättern thronen. Dem Zauber der kletternden Prunkwinde kann sich niemand entziehen. Wo es gilt, triste Fassaden zu begrünen, schlichte Zäune mit bunten Blüten zu dekorieren oder sonnige Balkone in einen malerischen Rückzugsort zu verwandeln, sind die wunderbaren Ipomoea-Arten zuverlässig zur Stelle.

Pflege

Eingewandert aus den tropischen Regionen dieser Erde, frösteln Prunkwinden bereits bei milden 10 Grad Celsius, sodass sie uns lediglich eine Saison lang erfreuen. Diese Pflege-Anleitung beleuchtet praxisorientiert, wie Sie die farbenfrohen Windengewächse bei Laune halten.

Die facettenreiche Gattung der Prunkwinden ist nicht beschränkt auf Zierpflanzen. Zu den bekanntesten Nutz-Arten zählt die Süßkartoffel (Ipomoea batatas), die in den Vereinigten Staaten und in China schmackhafter Bestandteil des täglichen Speisezettels ist.

Anzucht

Aufgrund ihrer ausgeprägten Frostempfindlichkeit, beginnt für eine Prunkwinde die Freiland-Saison frühestens Mitte Mai. Ab diesem Zeitpunkt ist die Direktaussaat theoretisch möglich. Die tropische Schlingpflanze startet hingegen mit einem deutlichen Wachstumsvorsprung, wenn im März die Anzucht durch Aussaat hinter Glas erfolgt. Da Sämlinge sehr empfindlich auf das Pikieren reagieren, werden die Samen in Kunststoff-Töpfen oder Torfpress-Töpfen ausgesät.

Ipomoea hederacea, Efeu-Prunkwinde
Ipomoea hederacea, Efeu-Prunkwinde

Ein beheizbares Zimmergewächshaus oder eine untergelegte Heizmatte garantieren für die erforderliche Keimtemperatur von mindestens 20 Grad Celsius. Als Substrat fungieren wahlweise handelsübliche Saaterde, ein Mix aus Sand und Blumenerde oder Kokosfasern. Es ist dringend zu empfehlen, die Anzuchterde im Backofen bei 150 Grad für 20-30 Minuten zu sterilisieren.

So verläuft die Aussaat in geregelten Bahnen:

  • Anzuchtgefäße füllen mit Saaterde und anfeuchten mit weichem Wasser
  • in jeden Topf 2 bis 3 Samen maximal 0,5 cm tief in die feuchte Erde drücken
  • bei 20 bis 25 Grad Celsius am halbschattigen Standort konstant leicht feucht halten

Sofern kein Zimmergewächshaus zur Verfügung steht, stülpen Sie bitte über jeden Topf eine transparente Haube. Das so erzeugte feucht-warme Mikroklima versetzt die Samen zusätzlich in Keimlaune. Tägliches Lüften beugt der Bildung von Schimmel wirksam vor.

Ipomoea hederacea, Efeu-Prunkwinde
Ipomoea hederacea, Efeu-Prunkwinde

Sobald sich die ersten Keimblättchen zeigen, kann die Abdeckung entfernt und die Temperatur auf 16 bis 18 Grad Celsius gesenkt werden. Heranwachsende Sämlinge binden Sie bitte an kleine Pflanzstäbe als erste Kletterhilfen an. Bis Mitte Mai gießen Sie regelmäßig mit Wasser bei Zimmertemperatur. Gedüngt wird in dieser Phase noch nicht.

Standort

Da die Trichterwinde nicht gelernt hat, ruppigem Frühjahrsklima zu trotzen, öffnet sich frühestens Mitte Mai das Zeitfenster für die Pflanzung im Freiland. Kaiserwinden im Topf und Balkonkasten nehmen ihre Plätze bereits im April ein, um bis nach den Eisheiligen die Nächte hinter Glas zu verbringen.

Wählen Sie einen Standort mit diesen Eigenschaften:

  • vollsonnige bis absonnige Lage
  • warm, wind- und regengeschützt
  • nährstoffreiche, humose Erde mit neutralem bis gering alkalischem pH-Wert
  • gerne frisch-feucht, mit einem guten Wasserabzug

Substrat

Für die Kultivierung im Kübel, Blumenkasten und Hängekorb, hat sich qualitativ hochwertige Blumenerde mit geringem Torfanteil in der Praxis bewährt. Zur Verbesserung der Durchlässigkeit geben Sie bitte noch etwas Sand, Perlite oder Lavagranulat hinzu.

Pflanzen im Beet

Im Beet fungiert die Prunkwinde ganz wunderbar als blütenreicher Bodendecker. Steht ihr als Schlingpflanze eine Rankhilfe zur Verfügung, lässt sie nüchterne Gartenzäune, triste Fassaden, verwitterte Lauben oder dröge Wasserrohre unter ihrem farbenfrohen Blütenkleid verschwinden. Eine sorgfältige Bodenvorbereitung bringt das Wachstum vom Start weg in Schwung.

Ipomoea batata 'Terrace Lime', Süßkartoffel
Ipomoea batata ‚Terrace Lime‘, Süßkartoffel

So pflanzen Sie Trichterwinden fachgerecht:

  • die Erde am gewählten Standort gründlich harken und jäten
  • an Fassaden, Pergolen, Zäunen und Fallrohren Spalierdraht oder ähnliche Kletterhilfen montieren
  • derweil die noch eingetopften Wurzelballen in Wasser tränken, bis keine Luftblasen mehr aufsteigen
  • im Abstand von 30-50 cm Gruben ausheben mit dem 1,5-fachen Volumen des Wurzelballens
  • den Aushub anreichern mit gesiebtem Kompost und Hornspänen

Die ausgetopften Ipomoea pflanzen Sie so tief ein, dass die Erde bis an das untere Blattpaar knapp heranreicht. Eine leicht schräge Ausrichtung zur Rankhilfe hin, dirigiert die Prunkwinde in die gewünschte Wuchsrichtung. Bodendecker-Pflanzen kommen hingegen gerade in den Boden. Drücken Sie die Erde bitte fest und gießen am Ende großzügig bemessen an.

Pflanzen im Kübel und Kasten

Auf dem sommerlichen Balkon stehlen einjährige Prunkwinden mit ihrer Blütenfülle klassischen Stauden die Schau. Damit die exotischen Blumen im Kübel und Kasten die Erwartungen erfüllen, rückt der Schutz vor Staunässe in den Fokus. Verwenden Sie bitte ausschließlich Pflanzgefäße, die über eine oder mehrere Bodenöffnungen verfügen, damit überschüssiges Gießwasser ungehindert ablaufen kann.

Ipomoea batata 'Terrace Lime', Süßkartoffel
Ipomoea batata ‚Terrace Lime‘, Süßkartoffel

Ergänzend breiten Sie darüber eine Drainage aus. Eine Lage aus feinem Splitt, Blähtonkügelchen oder Tonscherben wird mit wasser- und luftdurchlässigem Vlies abgedeckt, bevor Sie das Substrat einfüllen. Der Pflanzabstand kann mit 20-30 cm gegenüber dem Beet etwas knapper bemessen sein, um ein opulentes Erscheinungsbild zu erzeugen. Darüber hinaus unterscheidet sich der Ablauf nicht von der Pflanzung im Gartenboden.

Gießen

Infolge des üppigen Blüten- und Blättervolumens, befindet sich die Transpirationsrate einer Prunkwinde auf hohem Niveau. Demzufolge steht regelmäßiges Gießen ganz oben auf der Liste im Pflegeprogramm. Immer dann, wenn die Oberfläche des Substrats angetrocknet ist, wird gewässert. Geben Sie das Wasser bitte über die Kannentülle langsam unmittelbar auf die Wurzelscheibe.

Eine Überkopf-Beregnung beeinträchtigt nicht nur die Schönheiten einer Trichterwinde, sondern erhöht das Infektionsrisiko mit Pilzkrankheiten. Damit sich keine Staunässe bildet, stoppen Sie die Wasserzufuhr, sobald sich der Untersetzer füllt oder sich auf dem Boden kleine Pfützen ansammeln.

Düngen

Eine konstante Nährstoffzufuhr stellt die Blühfreudigkeit über viele Monate sicher. Die Vorräte des vorgedüngten Substrats sind innerhalb von 4 Wochen aufgezehrt. Ab Mitte Juni empfehlen wir daher die wöchentliche Gabe von Flüssigdünger an Prunkwinden in Pflanzgefäßen. Gedeihen die Schlingpflanzen in nährstoffreicher Gartenerde, deckt die Gabe organischen oder mineralisch-organischen Düngers im Abstand von 2 bis 3 Wochen den Bedarf ab. Bitte versäumen Sie nicht, nach jedem Düngen reichlich bemessen nachzugießen.

Ipomoea lobata, Sternwinde
Ipomoea lobata, Sternwinde

Schneiden

Zu den mannigfaltigen Vorzügen von Ipomoea zählt nicht zuletzt eine gutmütige Schnittverträglichkeit. Übereifrige Trichterwinden können Sie zu jeder Zeit in Form schneiden. Klettert die Pflanze unermüdlich in die Höhe und vernachlässigt das Wachstum in die Breite, kürzen Sie die Triebspitzen ein, woraufhin verstärkt Seitentriebe wachsen. Konsequentes Ausputzen verwelkter Blüten trägt überdies dazu bei, dass die Kaiserwinde ein gepflegtes Erscheinungsbild bewahrt.

Überwintern

Mit Blick auf die unkomplizierte Aussaat und vitale Keimfreudigkeit, liegt die Frage nach dem Sinn einer Überwinterung derart kältesensibler Pflanzen auf der Hand. Wer es im Herbst indes nicht übers Herz bringt, eine prachtvolle Kaiserwinde im Topf oder Balkonkasten auf dem Kompost zu entsorgen, kann das Experiment wagen.

Ipomoea lobata, Sternwinde
Ipomoea lobata, Sternwinde

So gehen Sie dabei vor:

  • bei herbstlichen Temperaturen unter 15 Grad Celsius, die Prunkwinde zurückschneiden
  • alle Ranken bis auf eine Länge von 10-20 cm einkürzen
  • die Pflanzgefäße einräumen in ein helles Winterquartier mit Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius

Bis zum nächsten Frühjahr gießen Sie die Pflanzen nur dann, wenn das Substrat gut angetrocknet ist. Dünger wird in dieser Zeit nicht verabreicht. Im April topfen Sie die überwinterte Trichterwinde um. Idealerweise wird die Pflanze bis Mitte Mai tagsüber auf dem geschützten Balkon an Sonnenlicht und höhere Temperaturen gewöhnt.

Vermehren

Samen

Streben Sie eine zahlreiche Vermehrung Ihrer schönsten Prunkwinde an, putzen Sie nicht alle Blüten aus. Bis zum Herbst verwandeln sich die verwelkten Blüten in kugelige Früchte mit kleinen Samen. Die reifen Samenstände werden den Winter hindurch trocken und dunkel aufbewahrt. Im Frühjahr säen Sie das Saatgut so aus, wie in dieser Pflege-Anleitung eingangs näher erläutert. Bitte bedenken Sie bei allen Arbeiten den Giftgehalt der Früchte und legen schützende Handschuhe an.

Ipomoea purpurea, Purpur-Prunkwinde
Ipomoea purpurea, Purpur-Prunkwinde

Stecklinge

Einige Ipomoea-Arten gedeihen in ihrer Heimat mehrjährig, sodass sie sich für die Vermehrung mithilfe von Stecklingen eignen. Zu diesem Zweck schneiden Sie im Spätsommer nicht blühende Ranken auf einer Länge von 10 bis 15 cm ab.

So verfahren Sie weiter:

  • kleine Töpfchen füllen mit Anzucht- oder Einheitserde
  • jeden Steckling zur Hälfte bis zwei Drittel entlauben
  • mit dem laubfreien Triebteil einpflanzen und angießen

Am halbschattigen Fensterplatz pflegen Sie die Stecklinge den Winter hindurch bei Temperaturen zwischen 10 und 15 Grad Celsius, bis sie ab Mitte Mai ausgepflanzt werden können.

Ipomoea purpurea 'Night', Purpur-Prunkwinde
Ipomoea purpurea ‚Night‘, Purpur-Prunkwinde

Ipomoea-Arten

Die folgende Selektion stellt Ihnen empfehlenswerte Prunkwinden-Arten und Sorten vor, die sich für die Kultivierung im Garten und auf dem Balkon als geeignet erwiesen haben.

Himmelblaue Trichterwinde (Ipomoea tricolor)

Die einjährige Schlingpflanze begeistert mit rot gesäumten Trichterblüten während des Austriebs. Im weiteren Verlauf der Blütezeit färben sich die Blüten himmelblau, mit einem weißen Schlund.

  • Sorte ‚Crimson Rambler‘: Rote Blüten mit weißem Schlund
  • Sorte ‚Heavenly Blue‘: Himmelblaue Blüten mit satten 20 cm Durchmesser

Kaiserwinde (Ipomoea imperialis)

Mit ihren rosaroten und weißen Blüten kreiert die Art florale Wasserfälle aus Hängekörben und Balkonkästen. Die grün-weiß gezeichneten Blätter kontrastieren eindrucksvoll mit dieser Blütenpracht.

  • Sorte ‚Sunrise Serenade‘: Halbgefüllte, lilarote Blüten
  • Sorte ‚Rosa Windemeer‘: Überreich blühend mit rosafarbenen Trichterblüten

Purpur-Trichterwinde (Ipomoea purpurea)

Ihre 6 bis 8 cm großen Blüten erstrahlen in sattem Purpur oder zartem Rosa. Insbesondere in der Fassadenbegrünung hat sich die recht robuste Art einen Namen gemacht. Ihre herzförmigen Blätter erhöhen den Schmuckwert der mitunter in Deutschland verwilderten Zierpflanze.

  • Sorte ‚Scarlet O’Hara‘: Karminrote Blüten und weißes Herz
  • Sorte ‚Scarlet Star‘: Magentafarbene Blüten und weißem Schlund

Efeu-Trichterwinde (Ipomoea hederacea)

Halten Sie Ausschau nach einer Prunkwinde für den kleinen Garten, werden Sie bei der Efeu-Trichterwinde fündig. Ihre windenden Ranken sind übersät mit 2-3 cm kleinen, himmelblauen Blüten und erreichen eine Länge von 100 bis 200 cm. Die tiefgrünen Blätter sind dreilappig bis fünflappig geformt, worauf die Artbezeichnung zurückzuführen ist.

Sternwinde (Ipomoea lobata)

Die in Südmexiko beheimatete Art erbringt den überzeugenden Beweis, dass Ipomoea-Arten nicht ausschließlich auf Trichterblüten festgelegt sind. Die röhrenartig geformten Blüten gedeihen in dichten Trauben. Für ein apartes Farbenspiel erscheinen die Blüten zunächst in Rot, um sich später orange, gelb und weiß zu verfärben. Ihr Trivialname ‚Spanische Flagge‘ hätte treffender nicht gewählt werden können.

Gefiederte Sternwinde (Ipomoea quamoclit)

Diese Art hat sich in deutschen Gärten bislang rar gemacht, was angesichts der aparten Fiederblätter wenig verständlich erscheint. Die roten Blüten sind 3 bis 4 cm lang. Sie öffnen sich nur einen Tag lang über dem nadelförmigen, dichten Laub, während sich die nächsten Blüten bereits in Wartestellung befinden.

Wasserspinat (Ipomoea aquatica)

In Asien wird diese Art gerne angebaut als Nutzpflanze. Die Blätter dieser weiß-rosa blühenden Prunkwinde können wie Spinat zubereitet und verzehrt werden. Im Gegensatz zu großen Mehrheit seiner Artgenossen, gedeiht Wasserspinat im feuchten Boden am Teichrand oder entlang des Bachlaufs.

Süßkartoffel (Ipomoea batatas)

Eine weitere Nutzpflanze innerhalb der Familie der Windengewächse, findet in Deutschland zunehmend Beachtung. Die Süßkartoffel kann im Beet und Balkonkasten angebaut werden. Die Wurzeln lassen sich auf vielfältige Weise zubereiten und munden gekocht, gebraten, gegrillt und gedämpft. Bis zur Ernte trumpft die Pflanze auf mit dekorativen weißen Blüten und purpurfarbenem Schlund.