Kartoffelkäfer bekämpfen

Seine Schadensrelevanz ist so verheerend, dass der Kartoffelkäfer Mitte des 20. Jahrhunderts sogar als biologische Waffe in Betracht gezogen wurde. Eingewandert aus den USA, verwüsten die adulten Käfer, Jungkäfer und Larven ein Kartoffelbeet durch Kahlfraß. Tomaten werden ebenfalls nicht verschont. Soweit muss es nicht kommen, denn es stehen effektive Strategien für die Bekämpfung zur Verfügung. Lesen Sie hier, wie Sie die Schädlinge an Kartoffeln loswerden.

Steckbrief

  • Insektenfamilie der Blattkäfer (Chrysomelidae)
  • botanischer Name: Leptinotarsa decemlineata
  • gängige Bezeichnungen: Kartoffelkäfer, Colorado-Käfer, Ami-Käfer
  • eingewandert in 1877 aus den USA (Colorado)
  • Körperlänge adulter Kartoffelkäfer von 7 bis 15 mm
  • gelbe Flügeldecken mit 10 schwarzen Längsstreifen
  • rötliche Larven, an den Seiten und am Kopf schwarz gepunktet
  • jährliches Aufkommen von 1 bis 3 Generationen
  • Haupt-Paarungszeit: Mai-Juni, Juli und August
  • Schlaf-Wach-Verhalten: tagaktiv
  • Nahrungspflanzen: Kartoffeln sowie weitere Nachtschattengewächse, wie Tomaten, Auberginen, Paprika

Kartoffelkäfer an einer Kartoffelpflanze

Pünktlich zum Auflaufen von Kartoffeln sind sie zur Stelle. Übersteigen die Bodentemperaturen im Frühjahr die 15 Grad Marke, kriechen die Kartoffelkäfer aus dem Boden, um sich explosionsartig zu vermehren. Die Fraßschäden der Larven und Käfer sind verheerend, denn nicht nur Kartoffelpflanzen werden kahl gefressen, sondern ebenso Tomaten, Paprika und andere Nachtschattengewächse. Wie gut, dass sich in den 200 Jahren seit ihrem Auftauchen in Europa zumindest ansatzweise wirksame Strategien für die Bekämpfung der kleinen Monster herauskristalliert haben. Lesen Sie hier, wie Sie die Schädlinge an Kartoffeln loswerden.

Das Schadenpotenzial von Kartoffelkäfern beruht vornehmlich auf der Tatsache, dass die Schädlinge aus den USA eingewandert sind. Daher fehlt es bis heute an natürlichen Feinden, die bei einem massenhaften Auftreten die ökologische Balance wieder herstellen könnten. Darüber hinaus sind die Blattkäfer äußerst robust und überlebten sogar einen probeweisen Abwurf aus dem Flugzeug aus 8.000 m Höhe. Fernerhin ist die Physiologie der Schädlinge so flexibel austariert, dass sie sich innerhalb kurzer Zeit auf chemische Insektizide einstellen und eine Resistenz entwickeln.

Lebenszyklus

Die genaue Kenntnis über den Lebenszyklus von Kartoffelkäfern optimiert die Bekämpfungsstrategie maßgeblich. Da es vornehmlich die Larven und Jungkäfer sind, die Ihr Kartoffelbeet verwüsten, sollte bereits die Eiablage unterbunden werden. Jede geschlüpfte Larve ist im dritten und vierten Stadium in der Lage, bis zu 40 Quadratzentimeter Blattfläche zu vertilgen.

Da sich diese Vernichtungsphase über wenige Wochen erstreckt, ist der Zeitpunkt für die Bekämpfung ebenso wichtig, wie die Bekämpfung selbst. Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Stadien der Entwicklung vom Ei bis zum Käfer zusammen.

Kartoffelkäfer kann großen Schaden anrichten

  • Kartoffelkäfer überwintern bis 60 cm tief in der Erde und krabbeln ab 15 Grad Bodenwärme heraus
  • ab Mai legen die begatteten Weibchen bis zu 1.200 rotgelbe Eier in kleinen Paketen auf den Blattunterseiten ab
  • innerhalb von 1 bis 2 Wochen schlüpfen tiefrote, schwarz gepunktete Larven
  • dank extensiver Nahrungsaufnahme von Kartoffelblättern, sind die Larven nach 21 Tagen ausgewachsen

Die ausgewachsenen, jetzt orangefarbenen Larven verkriechen sich zur Verpuppung für 2 Wochen in der Erde. Daraufhin erscheinen sie als Jungkäfer, um wiederum über die Blätter von Kartoffelpflanzen herzufallen. Nach weiteren 14 Tagen Dauerfressen sind sie geschlechtsreif, sodass ab Juli die zweite Generation entsteht. Bei milden Witterungsbedingungen erscheint im August schlimmstenfalls eine dritte Generation.

Kartoffelkäfer schädigt Kartoffelpflanzen im Beet

Bekämpfung

Ökologische Bekämpfungsmethoden

Kartoffelkäfer besitzen die einzigartige Fähigkeit, sich innerhalb kurzer Zeit auf chemische Bekämpfungsmittel einzustellen und eine Resistenz zu entwickeln. Wer mithilfe von Insektiziden die Schädlinge an Kartoffeln loswerden will, steht somit auf verlorenem Posten und hält letztlich ein chemisch belastetes Nahrungsmittel in Händen. Demgegenüber haben sich die ökologisch orientierten Strategien der Bio-Bauern als schlagkräftig und langfristig herausgestellt. Praxiserprobte Vorgehensweisen im Kampf gegen Kartoffelkäfer und deren Larven erläutern wir hier.

Absammeln

Im Wirkungsgrad unübertroffen ist bis heute das konsequente Absammeln der Kartoffelkäfer, deren Larven und Eipakete. Insbesondere im Kleingarten überzeugt diese Bekämpfungsstrategie gegenüber allen anderen Vorgehensweisen an Effizienz. Indem Sie ab Mai in den frühen Morgenstunden die überwinterten Käfer von den Ober- und Unterseiten der Kartoffelblätter absammeln und in Wasser ertränken, unterbinden Sie die Eiablage.

Setzen Sie die morgendlichen Kontrollgänge während des Sommers fort, können Sie rechtzeitig die Blätter mit Eipaketen oder geschlüpften Larven beseitigen. Besprühen Sie die befallenen Pflanzen anschließend mit Meerrettich-Jauche oder Minzbrühe, vergrämen Sie die Brut zusätzlich.

Kartoffelkäferlarven an einer Kartoffelpflanze

Bacillus thuringiensis

Ganz oben im Ranking erfolgreicher Bekämpfungsmethoden rangiert das für Menschen, Wirbeltiere und Pflanzen ungiftige Bakterium Bacillus thuringiensis. Das kristalline Toxin wirkt auf Kartoffelkäfer und deren Larven sowie andere Insekten tödlich. Der Fachhandel hält wirksame Präparate bereit, die auf der Basis spezieller Stämme des Bakteriums hergestellt werden. Diese überzeugen mit zuverlässiger Treffsicherheit, indem die Schädlinge vernichtet werden, während Nützlinge, wie Schwebwespen oder Florfliegen verschont bleiben, sollten sie sich zufällig im Einzugsbereich befinden.

Unter diesen Voraussetzungen wirkt das Bt-Bekämpfungsmittel:

  • die Kartoffelkäfer und Larven müssen von dem Bakterium fressen
  • zum Zeitpunkt der Anwendung herrschen Temperaturen von 15 Grad Celsius und höher
  • das Mittel in den frühen Morgenstunden ausbringen, da die Schädlinge zu dieser Zeit die meiste Nahrung aufnehmen
  • das Spray oder die Spritzlösung wird direkt auf die Schädlinge versprüht
  • ergänzend werden alle Ober- und Unterseiten der befallenen Pflanze behandelt

Das Mittel bewirkt einen unverzüglichen Fraßstopp. Im weiteren Verlauf sterben Käfer und Larven ab. Für die Anwendung im Kleingarten zugelassene Produkte, wie Novodor FC von Biofa, wirken bereits im Larvenstadium 1 auf die Brut und sollten daher entsprechend frühzeitig appliziert werden.

blühende Kartoffelpflanzen im Garten

Neem

Der tropische Neembaum liefert Inhaltsstoffe, die gegen Kartoffelkäfer und andere beißende oder saugende Schadinsekten wirken. Mit Produkten, wie NeemAzal T/S, bekämpfen Sie die Schädlinge im Hausgarten auf gesundheits- und umweltverträgliche Weise.

Hergestellt werden die Mittel aus den Samen des Baumes in Form eines Extraktes, das einen hohen Anteil an Azadirachdin enthält. Der Wirkstoff ist nicht unmittelbar tödlich. Vielmehr wird der Lebenszyklus im ersten Stadium durch einen Fraßstoff gehemmt, gefolgt von der verminderten Fähigkeit zur Vermehrung.

So verläuft die Entwicklung:

  • bester Zeitpunkt für die Anwendung ist am fünften Tag nach der Eiablage
  • die benötigte Menge an Spritzbrühe erst am Tag der Anwendung herstellen
  • das Neem hemmt den Eischlupf, sodass keine Entwicklung über das erste Larvenstadium hinaus stattfindet

Kartoffelkäfer vernichten mit verschiedenen Hilfsmitteln

Sie optimieren den Bekämpfungserfolg von Neem-haltigen Produkten, indem Sie 2 bis 3 Tage später das Bakterium Bacillus thuringiensis ausbringen, da sich die beiden biologischen Mittel ergänzen.

Pyrethrine und Rapsöl

Unter hohem Befallsdruck entscheiden sich geplagte Hobbygärtner für die Verwendung eines Kombinationspräparates aus Pyrethrine und Rapsöl, wie Spruzid Neu. Das darin enthaltene Pyrethrum galt jahrelang als Lichtblick im Kampf gegen die desaströsen Kartoffelkäfer. Allerdings entwickelten die Schädlinge eine Resistenz, sodass die Wirksamkeit auf unter 20 Prozent absank.

Dank intensiver Forschungen konnte die Effektivität optimiert werden, indem natürliches Rapsöl hinzugegeben wird. Wenngleich das Bekämpfungsmittel nicht vollkommen unbedenklich ist für Umwelt und Gesundheit, ist es für die Anwendung im Kleingarten aktuell noch zugelassen. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betreut eine Datenbank, die Ihnen alle erlaubten Bekämpfungsmittel einschließlich Datum des Zulassungsendes nennt.

Spinosad

Für den ökologischen Landbau von Europäischen Union zugelassen, ist der Wirkstoff Spinosad, der sich ebenfalls gegen Kartoffelkäfer als wirksam erwiesen hat. Laufen alle rein natürlichen Bekämpfungsstrategien ins Leere, steht Ihnen diese Alternative zur Verfügung, um die Schädlinge an Kartoffeln loszuwerden. Gewonnen wird das Mittel aus speziellen Bakterienstämmen und Aminozucker.

Kartoffelkäfer im Kartoffelbeet

Die Anwendung des Insektizids darf ausschließlich unter Beachtung besonderer Schutzvorkehrungen erfolgen, wie dem Tragen von Schutzkleidung und Handschuhen. Darüber hinaus ist es gefährlich für Bienen und andere Nützlinge, sodass es nicht auf blühende Pflanzen aufgebracht werden darf.

Internet-Warndienst

Da die Effektivität ökologischer Bekämpfungsmittel entscheidend davon abhängt, dass sie zum richtigen Zeitpunkt ausgebracht werden, bieten die Landesanstalten für Landwirtschaft einen Informationsdienst an, den Sie als Hobbygärtner ebenfalls nutzen können. Für jede Region steht ein Vorhersagesystem zur Verfügung, das auf lokalen Befallserhebungen basiert. Unter Einbeziehung von Wetterdaten und dem Entwicklungsverlauf vom Ei bis zur Larve, wird der optimale Zeitpunkt errechnet, an dem Sie das gewählte Präparat anwenden sollten.

Da die Prognoserechnung mit einer Vorlaufzeit von einer Woche arbeitet, steht Ihnen ausreichend Zeit zur Verfügung, die Bekämpfungsmethode zu wählen und das geeignete Mittel zu beschaffen. Dieser Dienst steht im Internet kostenlos zur Verfügung und kann sowohl von gewerblich tätigen Landwirten als auch von privaten Gärtnern vollumfänglich genutzt werden.

Vorbeugung

Im naturnah bewirtschafteten Garten können Sie im Vorfeld mithilfe rein natürlicher Mittel einem Befall durch Kartoffelkäfer vorbeugen oder bei den ersten Anzeichen im Keim ersticken. Im Folgenden stellen wir Ihnen praxiserprobte Methoden näher vor. Damit sich die cleveren Schädlinge nicht auf ein Mittel einstellen und eine Resistenz entwickeln, wechseln Sie bitte immer wieder die Wirkstoffgruppe.

Meerrettich-Jauche

Bringen Sie im Frühjahr wiederholt eine Jauche aus Meerrettich (Armoracia rusticana) in Ihren Beeten mit Kartoffeln und anderen Nachtschattengewächsen aus. Diese Pflanzenjauche hält die aus dem Boden krabbelnden Kartoffelkäfer bereits im Vorfeld davon ab, auf den Blättern ihre Eier abzulegen. Fernerhin dient Meerrettich-Jauche als natürliches Bekämpfungsmittel im ersten Larvenstadium.

So setzen Sie die Jauche an:

  • in ein Holzfass 1 kg frischen oder 300 g getrockneten Meerrettich aufschichten
  • darüber 10 Liter gesammeltes, gefiltertes Regenwasser oder abgestandenes Leitungswasser gießen
  • an einem sonnigen, warmen, abseits gelegenen Standort im Garten aufstellen
  • den Behälter mit Maschendraht abdecken und nicht mit einem Deckel verschließen
  • die Flüssigkeit mehrmals täglich umrühren, damit Sauerstoff hinein gelangt

Kartoffelkäferlarven mit roter Färbung und schwarzen Punkten

Bereits nach 2 bis 3 Tagen verfügt die Lösung über einen gewissen Grad an Wirksamkeit gegenüber den Kartoffelkäfern. Ihr volles Potenzial entfaltet die Jauche indes erst nach 2 Wochen, wenn die Flüssigkeit vollkommen vergoren ist. Seihen Sie die Pflanzenteile ab und füllen die Meerrettich-Jauche in eine Gießkanne oder einen Drucksprüher. Vorbeugend benetzen Sie die Pflanzen wöchentlich. Befinden sich die Kartoffelkäfer oder deren Larven bereits auf dem Laub, werden Sie die Schädlinge los, indem Sie das Naturmittel alle 3 Tage auftragen.

Gesteinsmehl

Als natürlicher Bodenhilfsstoff hat sich Gesteinsmehl in der ökologischen Landwirtschaft einen guten Namen gemacht. Das feine Material leistet darüber hinaus einen wertvollen Beitrag in der Abwehr von Kartoffelkäfern und anderen Schädlingen, die das Laub Ihrer Nutzpflanzen vertilgen wollen. Bepudern Sie die taunassen Kartoffelpflanzen in den frühen Morgenstunden auf den Ober- und Unterseiten der Blätter regelmäßig mit Gesteinsmehl, vergeht den gefräßigen Plagegeistern der Appetit.

Das gilt sowohl für die adulten Käfer als auch für die Larven. Als alleiniges Bekämpfungsmittel ist Urgesteinsmehl zwar nicht geeignet; als Komponente in der Strategie ist es dennoch von Wert. Zugleich stärkt das Naturmittel die Widerstandskraft Ihrer Pflanzen auf umweltfreundliche Weise.

Kaffeesatz

Unter den Hausmitteln gegen Kartoffelkäfer erfreut sich Kaffeesatz bester Erfahrungswerte im privaten Nutzgarten. Haben die Jungpflanzen eine Wuchshöhe von 10 cm erreicht, streuen Sie den getrockneten Kaffeesatz alle 4 Wochen auf die noch feuchten Blätter am Morgen. In kürzeren Intervallen sollte das Kaffeepulver nicht angewendet werden, da es den pH-Wert absenkt.

Kaffeesatz zur Kartoffelkäfer Bekämpfung

Thuja-Tee

Die in einer Thuja befindlichen Inhaltsstoffe verfügen über die Potenzial, Kartoffelkäfer und deren Brut dauerhaft zu vergrämen. Nach einem Rückschnitt der Konifere halten Sie ausreichend Material in Händen, um daraus einen Tee zuzubereiten. Hierzu übergießen Sie das Schnittgut mit kochendem Wasser und lassen es für 24 Stunden ziehen. Am nächsten Tag sieben Sie das Pflanzenmaterial ab, füllen die Flüssigkeit in einen Handsprüher und behandeln die Kartoffelpflanzen. Insbesondere zur Vorbeugung sowie im frühen Befallsstadium ergänzt diese Vorgehensweise sich ausgezeichnet mit anderen ökologischen Methoden.

Minz-Brühe

Auf Pfefferminze sind Kartoffelkäfer gar nicht gut zu sprechen. Diesen Umstand fanden kluge Biogärtner heraus, sodass eine wiederholte Spritzung mit Minz-Brühe einen wertvollen Beitrag in der Abwehr dieser Schädlinge leistet. Im Gegensatz zu Jauche, ist die Brühe innerhalb kurzer Zeit hergestellt. Hierzu setzen Sie die frischen Pflanzenteile mit Wasser an und lassen alles 30 Minuten lang leicht köcheln. Nachdem die Brühe abgekühlt ist, kann sie sogleich auf den Kartoffelpflanzen versprüht werden.

Kartoffelkäferlarve an einer Blütenknospe

Abwehrende Pflanznachbarn

Zu den vielen Vorzügen einer Mischkultur zählt, dass sich verträgliche Pflanznachbarn gegenseitig vor Krankheiten und Schädlingen schützen. Vergesellschaften Sie Ihre Kartoffelpflanzen mit den folgenden Zier- und Kulturpflanzen, werden anrückende Kartoffelkäfer abgewehrt oder derart irritiert, dass sie sich ein anderes Areal für ihren Kindergarten suchen.

  • Kapuzinerkresse
  • Lein
  • Pfefferminze
  • Tagetes

Mulchen Sie zugleich regelmäßig mit Farnkraut, wird es den Schädlingen in Ihrem Kartoffelbeet zu ungemütlich.