Meerrettich im Garten

Meerrettich, auch Kren genannt, gehört zu den bekannten Wurzelgemüsen und Gewürzen. Allerdings verwenden ihn die meisten in konservierter, gebrauchsfertiger Form. Nur wenige Hobbygärtner kultivieren heutzutage ihren Meerrettich noch selbst. Dabei ist die Anzucht von Armoracia rusticana gar nicht so schwierig, wenn man weiß, wie es funktioniert. Wie Sie Ihren Kren selbst im Garten kultivieren können, erfahren Sie in dieser Anleitung.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Kreuzblütler (Brassicaceae)
  • Gattung: Armoracia
  • Art: Meerrettich (Armoracia rusticana)
  • Trivialnamen: Kren, Beißwurzel
  • Herkunft: Ost- und Südeuropa
  • ausdauernde, krautige Pflanze
  • Wuchshöhe: 50 bis 120 cm, selten bis 200 cm
  • senkrechte, walzenförmige Pfahlwurzel
  • Blütezeit von Mai bis Juli
  • runde Blütenstände bis zu 40 cm Durchmesser, duftend
  • grundständige Laubblätter, meist einfach, selten gefiedert
  • Wurzel wird als Gewürz und Gemüse verwendet

Im Nutzgarten bildet Armoracia rusticana einen imposanten Habitus mit Blättern, die bis 60 cm lang und 20 cm breit werden. Es sind aber weder die Blätter noch die Blüten, die zwischen Mai und Juni an der Pflanze erscheinen und herrlich duften, die den Meerrettich so beliebt machen. Seinen wahren Schatz versteckt die ausdauernde Pflanze in der Erde: Die pfahlartige, lange Wurzel des Meerrettichs riecht und schmeckt durch den hohen Gehalt an ätherischen Ölen scharf und ist daher Bestandteil vieler Gerichte in der heimischen Küche.

Meerrettich mit seinen grünen Blättern

Meerrettich ist schon seit der Antike bekannt. Ursprünglich stammt die krautige Pflanze mit der scharfen, weißlichen Pfahlwurzel aus Ost- und Südeuropa, seit längerem kommt sie auch in Mitteleuropa verwildert vor. Die heute kultivierten Meerrettiche unterscheidet man vor allem nach ihrem Hauptanbaugebiet.

Pflege

Wer Kren anbauen möchte, wird sich vielleicht darüber wundern, dass nirgendwo Samen des Gewächses angeboten werden. Eine Aussaat des Meerrettichs ist nicht üblich, da sich nur wenig Samen bilden und diese meist keimunfähig sind. Das Außergewöhnlichste bei der Kultivierung ist, dass Meerrettich aus sogenannten Fechsern gezogen wird.

Fechser nennt man die Seitenwurzeln, die aus der dicken Hauptwurzel herauswachsen. Die Anzucht im Hausgarten ist nicht schwierig und kann auch von unerfahrenen Hobbygärtnern bewältigt werden, wenn ein paar grundlegende Bedingungen eingehalten werden.

Standort

Bei seinen Standortansprüchen ist der Meerrettich nicht besonders wählerisch. Einmal gepflanzt ist die Pflanze jedoch recht hartnäckig, da selbst kleine Wurzelstücke, die im Boden verbleiben, in der Lage sind, wieder neu auszutreiben. Deshalb gilt Kren als Zeigerpflanze für alte, nicht mehr genutzte Gärten, da er selbst nach Jahren immer noch an der gleichen Stelle wächst. Pflanzen Sie ihn deshalb lieber an den Rand oder außerhalb des Gemüsebeetes.

  • Lichtbedarf: sonnig bis halbschattig
  • auch kühle Standorte sind bestens geeignet
  • gute Luftzirkulation

Weiterhin sollte beachtet werden, dass der Meerrettich oberhalb der Erde zu einer sehr imposanten Pflanze heranwachsen kann. Mit Wuchshöhen von bis zu einem Meter bei einer Breite von etwa 60 bis 80 cm benötigt die ausdauernde Pflanze Platz. Deshalb ist es günstig, den Kren an Stellen im Garten zu pflanzen, wo er auf Dauer nicht stört.

Meerrettich als Gewürz oder Gemüse verwendbar

Bodenbeschaffenheit

Beim Kren handelt es sich um eine winterharte, ausdauernde Staudenpflanze, die auf fast allen Böden wächst, insofern diese locker und tiefgründig genug sind, damit sich die bis zu 80 cm lange Pfahlwurzel ungestört ausbreiten kann. Empfindlich reagiert der Meerrettich auf Staunässe und hohe Salzgehalte im Boden.

  • locker
  • tiefgründig
  • humos
  • lehmig-sandig, Löss, sandiger Schwemmlandboden
  • pH-Wert: 6-7
  • nährstoffreich

Während der Kren auf sehr sandigen Böden nur wenig Aroma und Würze entwickelt, neigt er auf verdichteten Lehmböden dazu, holzig zu werden. Eine besonders geschmacksintensive und feinfaserige Pfahlwurzel bildet er hingegen auf humosen und tiefgründigen Gartenböden.

Pflanzzeit

Meerrettich wird nicht durch Samen, sondern durch die bleistiftdicken Seitenwurzeln vermehrt, die bei der Ernte der Pflanze anfallen. Diese sogenannten Fechser sind zur Pflanzzeit im Handel erhältlich. Kren kann sowohl im Herbst als auch im Frühjahr ab etwa Mitte April direkt ins Beet gepflanzt werden.

Vortreiben

Damit unerwünschte Austriebe aus dem Fechser besser erkannt und entfernt werden können, werden die Wurzelstücke ab Anfang April vorgetrieben. Dazu legt man die Triebe in eine lichtundurchlässige Folie an einen warmen Ort im Haus.

Nach etwa zwei bis drei Wochen sind die späteren Austriebstellen als „Augen“ auf der Wurzel erkennbar. Um einen Austrieb an diesen Stellen zu verhindern, kann man sie im mittleren Teil der Wurzel mit einem Lappen abreiben. Die unteren und oberen drei Zentimeter sollten Sie dabei auslassen.

großes, grünes Meerrettichblatt

Pflanzen im Beet

Eine fachgerechte Bodenvorbereitung schafft beste Bedingungen, damit der Meerrettich anwachsen kann und eine gute Entwicklung der Wurzel möglich ist. Der Meerrettich gehört zu den Starkzehrern, die mittlere bis hohe Nährstoffmengen benötigen. Am besten wird der Boden daher bereits im Herbst mit Stallmist gedüngt.

Dann kann der Mist bis ins Frühjahr ausreichend verrotten. Stallmist darf niemals direkt vor der Pflanzung in den Boden eingearbeitet werden, da dies zu Verbrennungen der Wurzeln führt. Alternativ kann auch kurz vor oder bei der Pflanzung reifer Kompost in den Gartenboden eingearbeitet werden.

  • vor der Pflanzung tiefgründig umgraben
  • eventuell sandige Böden mit humoser Erde oder Kompost anreichern
  • schwere Böden mit Sand versetzten
  • Pflanzabstand: 50 bis 60 cm
  • Fechser schräg in vorgestochene Gräben legen
  • hierfür gibt es auch spezielle Krenstecher im Handel
  • auf ursprüngliche Wuchsrichtung achten
  • Reihenabstand: 50 bis 60 cm
  • Pflanzabstand: 50 cm
  • Wurzeln mit Erde bedecken
  • Kopfstück muss 3 cm oberhalb des Erdniveaus bleiben
  • alle Stangen sollten in die gleiche Richtung zeigen

Anschließend drücken Sie die Erde leicht an und wässern den Boden vorsichtig. Nach einigen Wochen sind erste Triebe erkennbar. Sind die Blätter etwa 10 cm lang, legen Sie das Kopfende der Wurzeln ein paar Zentimeter frei und schneiden alle seitlichen Wurzeltriebe ab. Nur so kann die Pflanze ihre ganze Energie in die Hauptwurzel stecken.

Fruchtfolge und Mischkultur

Im Gemüsegarten ist wegen des jährlichen Wechsels der Pflanzen eine gewisse Reihenfolge im Anbau notwendig. Einige Pflanzen entziehen dem Boden bestimmte Nährstoffe und geben ihrerseits Stoffe über die Wurzeln an den Boden ab. In ungünstigen Fällen führt das zu einer Auslaugung des Bodens oder zu bestimmten Krankheiten, die sich im Beet breitmachen.

An den gleichen Standort sollte der Kren deshalb nach einer Kulturphase erst wieder nach drei bis vier Jahren gepflanzt werden. Von den richtigen Nachbarpflanzen können aber sowohl der Meerrettich als auch die Nachbarpflanzen profitieren.

  • neben Kartoffeln vertreibt er Kartoffelkäfer
  • in Kombination mit Knoblauch hilft Meerrettich gegen die Kräuselkrankheit (Pilzerkrankung)

Zu den Kreuzblütlern, mit denen sich der Meerrettich nicht verträgt, gehören beispielsweise alle Kohlarten, Meersenf, Rettich, Rüben, Kresse und Rauke. Diese Unverträglichkeit bedeutet nicht nur, dass der Meerrettich nicht zusammen mit diesen Pflanzen angebaut werden darf. Auch in den Jahren vor der Kultivierung von Kren dürfen diese Pflanzen nicht auf dem gleichen Areal angebaut worden sein. Andere Kreuzblütler könnten ihm die Meerrettichschwärze (Verticilium-Pilze) oder die Kohlhernie hinterlassen haben.

Gießen

Zarte und dicke Wurzelstangen bildet der Meerrettich nur dann, wenn der Gartenboden permanent leicht feucht ist. Stark schwankende Bodenfeuchte fördert die Verholzung der Wurzel. Bis im Sommer jedoch die Hauptwachstumsphase einsetzt, muss nur sehr selten zusätzlich gewässert werden.

Meerrettichblätter einer Meerrettichpflanze

Bei anhaltender Trockenheit benötigt der Kren unbedingt regelmäßig Gießwasser, dabei ist Staunässe aber unbedingt zu vermeiden. In langen heißen Trockenperioden muss besonders an sehr sonnigen Standorten großzügig gegossen werden, manchmal sogar zweimal täglich. Wichtig ist auch eine gelegentliche Bodenauflockerung.

Düngen

Bei nährstoffarmen Böden ist es sinnvoll, bereits vor der Pflanzung, die im Frühjahr erfolgen soll, den Boden im Herbst mit Stallmist zu mischen. Alternativ kann auch direkt vor der Pflanzung feinkrümeliger, reifer Kompost in den Boden eingearbeitet werden. Im Stadtgarten bieten sich Hornspäne oder Langzeitgemüsedünger als Ersatz für Kompost an.

Meerrettich reagiert sehr empfindlich auf hohe Salzgehalte im Boden, deshalb sollte niemals mineralischer Dünger zum Einsatz kommen, sondern ausschließlich organische Dünger. Diese haben zudem den Vorteil, dass sie für lange Zeit permanent Nährstoffe freisetzen, sodass keine weitere Düngung in diesem Jahr mehr notwendig ist.

Schneiden

Damit sich die Wurzel gut ausbilden kann, dürfen die Blätter während der Wachstumsperiode nicht geschnitten werden. Erst dann, wenn das Laub im Herbst verwelkt, kann es eventuell entfernt werden. Wichtig ist es, etwa im Juni die oberen Seitentriebe der Wurzel abzuschneiden, damit die Pflanze ihre ganze Kraft in die Hauptwurzel stecken kann.

Ernte

Traditionell wird Kren zwischen Oktober und Januar geerntet. Im Hausgarten ist die Ernte an frostfreien Tagen über den ganzen Winter möglich. Ein eindeutiges Anzeichen dafür, dass die Wurzel im Herbst das Wachstum eingestellt hat, ist das Verwelken der Blätter. Ab jetzt kann die Wurzel aus der Erde geholt werden. Da der Kren aber nur bedingt lagerfähig ist (im Kühlschrank etwa zwei Wochen), ist es sinnvoll, nicht benötigte Wurzeln im Gartenboden zu belassen und diese bei Bedarf zu ernten.

Meerrettichwurzeln

Um die Wurzel aus dem Boden zu entfernen, darf keinesfalls am oberen Teil der Pflanze gezogen werden, denn dann bricht die Wurzel ab. Besser ist es, sie mit einer Grabgabel aus der Erde zu heben. Wer den Meerrettich selbst vermehren möchte, sollte darauf achten, dass die Seitentriebe der Wurzel dabei nicht verletzt werden. Ist die Meerrettichwurzel noch nicht dick genug, kann sie problemlos an Ort und Stelle im Beet verbleiben und erst im kommenden Jahr geerntet werden.

Überwintern

Meerrettich gehört zu den Pflanzen, die sich in ihrer Heimat extrem gut an kalte Witterungsverhältnisse angepasst haben. Selbst Temperaturen von -50 Grad, wie sie beispielsweise im Winter in Russland vorkommen können, machen der ausdauernden Pflanze wenig aus. Deshalb benötigt der Kren in unseren Breitengraden keinerlei Schutz vor frostigen Temperaturen.

Vermehren

Der Meerrettich wird in der Praxis nur vegetativ über sogenannte Fechser vermehrt. Fechser werden die Seitenwurzeln der Pflanze genannt, die als „Abfall“ bei der Ernte anfallen.

„Spreewald-Methode“

Seitlich aus der Hauptwurzel des Meerrettichs wachsen dünnere Seitenwurzeln, die sogenannten Fechser oder Fexer. Zur Vermehrung werden diese Fechser bei der Ernte im Herbst abgeschnitten und entweder sofort oder Ende April bis Mai wieder eingepflanzt.

  • gesunde Seitenwurzeln aussuchen
  • Durchmesser: 6 bis 8 mm
  • Länge: etwa 30 cm
  • die oberen 5 cm (Kopfstücke) abschneiden
  • diese sind weniger gut für die Vermehrung geeignet

Die Fechser dürfen nicht zu waagerecht in den Boden gelegt werden, denn in diesem Fall wachsen sie kaum in die Breite. Kommt der Fechser senkrecht ins Erdreich, bildet er zu viel Laub. Sie benötigen also etwas Fingerspitzengefühl für den richtigen Winkel. Etwa drei bis vier Wochen nach der Pflanzung treibt das Wurzelstück neu aus und es bildet sich eine neue Meerrettichpflanze.

Meerrettich im Nutzgarten anpflanzen

Sollen die Fechser erst im Frühjahr eingepflanzt werden, ist eine fachgerechte Lagerung wichtig, damit die Wurzeln gut über den Winter kommen. Dazu werden die bleistiftdicken Seitenwurzeln kühl in feuchtem Sand gelagert und im April in den Gartenboden gesetzt.

Krankheiten

In einer gesunden Mischkultur kommen beim Meerrettich nur selten Krankheiten vor. Allerdings ist die Pflanze nicht völlig gegen diverse Pilzerkrankungen oder andere Infektionen mit Bakterien oder Viren gefeit.

Hierzu gehören:

  • Weißer Rost (Albugo candida)
  • Falscher Mehltau
  • Meerrettich-Mosaikkrankheit wird durch Blattläuse übertragen
  • Tomatenschwarzringvirus kann auch Meerrettichpflanzen befallen
  • Verticilium-Welke verursacht eine Schwarzfärbung der Wurzel, sodass diese für den Verzehr ungeeignet ist

Wurde versehentlich im Frühjahr statt im Herbst mit Mist gedüngt, führt das zu fleckigen Wurzeln, der sogenannten Meerrettichschwärze.

Schädlinge

Neben Wühlmäusen fressen auch Engerlinge gerne an den Wurzeln des Meerrettichs. Gegen die Tiere helfen nur vorbeugende Maßnahmen wie das Auslegen und Eingraben eines Schutzgitters oder -netzes, das verhindert, dass die Schädlinge überhaupt an die Wurzeln herankommen.

Meerrettichblattkäfer und dessen Larven

Die 3 bis 4 mm großen, blauschwarzen Käfer fressen Löcher in die Blätter von Kreuzblütlern wie dem Kren. Vor allem im Mai und August sollten die Pflanzen regelmäßig auf einen Befall kontrolliert werden.

Raupen

Die Raupen verschiedener Schmetterlinge und Falter (wie Kohlweißling, Meerrettichspanner oder Kohlzünsler) verursachen gelegentlich Fraßschäden an den Blättern.

Meerrettich ist eine krautige Pflanze

Sorten

Einzelne Sorten des Meerrettichs sind nicht bekannt. Allerdings unterscheidet sich je nach Anbaugebiet die Größe der Wurzel, deren Farbe, Form und Geschmack sowie die Widerstandsfähigkeit gegen diverse Pilzkrankheiten.

Bekannte Auslesen des Kren sind:

  • Bayerischer Meerrettich/Kren
  • Österreichischer Meerrettich
  • Steirische Auslese
  • Edelkofener
  • Nederlinger