Die Kannenpflanzen, Nepenthes sind dabei vermutlich insbesondere die spektakulärsten und prächtigsten fleischfressenden Pflanzen überhaupt. Die Bezeichnung Kannenpflanzen bezieht sich daher auf ihre faszinierenden Boden- oder Luftkannen auch Grubenfallen genannt.

Mit diesen Kannen locken diese Pflanzen zudem Insekten an, von denen sie sich in freier Natur ernähren. Durch das Abholzen der Regenwälder stehen mittlerweile viele Arten auf der Liste gefährdeter Arten, was sie umso erhaltenswerter macht.

Steckbrief

  • Familie: Kannenpflanzengewächse (Nepenthaceae), fleischfressende Pflanzen
  • Klasse: Bedecktsamer
  • Ordnung: Nelkenartige
  • Herkunft: tropische Regenwälder Asiens und Australiens
  • Unterscheidung zwischen Hoch- und Tiefland-Nepenthes
  • Etwa 100 Arten und zahlreiche Kultur-Hybriden
  • Wuchs lianenartig oder als Halbstrauch
  • Die Kannen sind passive Grubenfallen, mit feststehendem Deckel
  • Grubenfallen sind zu einer Art Trichter, umgeformte Blätter
  • Kannen weisen unterschiedliche Formen und Färbungen auf
  • Blüten: zusammengesetzte Rispen oder traubenförmige Blütenstände
  • Samen: dreigefächerte Samenkapseln mit bis zu 500 Samen

Kannenpflanzen, Nepenthes wachsen je nach Art als immergrüne und ausdauernde Halbsträucher oder Lianen. Nepenthes-Arten kommen zumal ursprünglich von den ostasiatischen Inseln. Einige Arten weisen zudem einen eher gedrungenen Wuchs auf und bilden Rosetten.

Bei den etwa 100 Arten unterscheidet man dabei zwischen Tiefland- und Hochland- Nepenthes, wobei nicht jede Art für die heimische Haltung geeignet ist.

Kannenpflanzen, Nepenthes

Nahezu alle Nepenthes-Arten bilden zudem zwei unterschiedliche Kannenformen. Während Jungpflanzen in einer Rosette angeordnete rundliche Kannen produzieren, entwickeln ältere Exemplare Ranken und wachsen in ihrer Heimat als kletternde Lianen.

Pflege

Diese eindrucksvollen Kannenpflanzen, Nepenthes sind dabei echte Diven, was die Pflege betrifft, sie sind sehr wählerisch. Besonders hoch sind die Ansprüche an Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Hybridsorten sollen am einfachsten zu pflegen sein und sind deshalb auch besonders gut für Anfänger geeignet. Diese Hybriden sind wesentlich robuster und anspruchsloser als reine Arten. Dennoch entscheiden auch hier der richtige Standort und optimale Umgebungsbedingungen über das Gedeihen oder Absterben der Pflanze.

Standort

Kannenpflanzen, Nepenthes lieben zudem helle Standorte ohne Zugluft, ganzjährig warme Temperaturen und eine sehr hohe Luftfeuchtigkeit. Direkte Sonneneinstrahlung sollte dabei vermieden werden, die könnte die meist dünnwandigen Kannen verbrennen oder zumindest stark schädigen.

Optimale Bedingungen finden diese Pflanzen dabei im beheizbaren Gewächshaus oder Terrarium vor, sofern diese ausreichend belüftet werden. Besonders schwierig zu halten, sind Tiefland-Nepenthes. Sie benötigen dort eine konstante Luftfeuchtigkeit von mindestens 70 %. Anders sieht es bei Hybriden aus, sie kommen auch mit einer niedrigeren Luftfeuchtigkeit zurecht.

Aufgrund des hohen Lichtbedarfs kann bei einer Haltung im Terrarium eine zusätzliche Beleuchtung vonnöten sein. Darüber hinaus ist die zu erwartende Größe der Pflanze zu berücksichtigen, denn diese Schönheiten können im Alter beachtliche Ausmaße annehmen.

Die Temperaturen sollten deshalb für Hochland-Arten ganzjährig zwischen 20 und 25 Grad liegen und in den Wintermonaten während der Nacht auf 10 Grad absinken. Diese Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht, die sogenannte Nachtkühle, ist für diese bizarren Gewächse überlebenswichtig. Dagegen benötigen die Tiefland-Arten zu jeder Jahres- und Tageszeit konstante Temperaturen von 25-30 Grad.

Substrat

Handelsübliche Blumenerde ist für diese Kannenpflanzen, Nepenthes damit ungeeignet, ebenso wie gedüngte Substrate. Grundsätzlich sollte das Substrat gut wasser- und luftdurchlässig, und möglichst ein Naturprodukt sein. Im Handel wird spezielle Kanivorenerde angeboten. Mischt man diese Erde mit unterschiedlichen Beimengungen, kann man sich das optimale Substrat für die Nepenthes, Kannenpflanzen selbst zusammenstellen.

Dazu kann man z.B. Perlite, Sand, Kokosfaser, Pinienrinde, Aktivkohle und Quarzkies untermischen oder Perlite, Sand, Weißtorf und Blähton. Häufig wird auch handelsübliches Orchideensubstrat als das beste Substrat empfohlen.

Nepenthes, exotisches Pflanzengewächs

Pflanzen

Das Pflanzgefäß sollte dabei eher flach sein. Aufgrund des rankenden Wuchses und der unterschiedlichen Höhen ist eine hängende Haltung in einem Ampelgefäß oder auf einem Podest von Vorteil. Ist das bestehende Pflanzgefäß stark durchwurzelt, wird es Zeit umzutopfen.

Das sollte deshalb ausschließlich in der Wachstumsphase im Sommer erfolgen, denn während dieser Zeit fällt der Pflanze die Umgewöhnung am leichtesten. Dabei muss das alte Substrat nicht zwingend entfernt oder ausgewechselt werden. Es soll sogar von Vorteil sein, wenn man es dabei an der Pflanze belässt.

Gießen

Entsprechend ihrer feuchtwarmen tropischen Herkunft ist Feuchtigkeit bei der Haltung dieser Pflanzen der wichtigste Faktor. Heizungsluft und Klimaanlagen trocknen den Raum vor allem während der kalten Jahreszeit sehr schnell aus, sodass man daher sowohl das Gießverhalten als auch die Luftfeuchtigkeit entsprechend anpassen muss.

  • Während des Wachstums deshalb regelmäßig gießen, mindestens zweimal wöchentlich
  • Immer in den Untersetzer und nicht auf das Substrat gießen
  • Erst nachgießen, wenn das Wasser komplett aufgebraucht ist
  • Alternativ dazu den Wurzelballen kurz in zimmerwarmes Wasser tauchen
  • Ausschließlich mit kalkfreiem Wasser gießen, idealerweise mit Regenwasser
  • Staunässe unbedingt vermeiden
  • Pflanzen sollten zu keiner Zeit trockenstehen
  • Vollständig vertrocknete Kannen entfernen
  • Für optimale Luftfeuchtigkeit regelmäßig mit kalkfreiem nicht zu kaltem Wasser besprühen

Düngen

An ihrem natürlichen Standort ernähren sich diese fleischfressenden Pflanzen von Insekten. Diese Beutetiere werden von süßlichem Nektar angelockt, der sich auf dem Rand der Kannen bzw. Grubenfallen befindet. An der glatten Innenseite finden sie damit keinen Halt und fallen danach in die Kannen. Nach unten gerichtete Borsten verhindern, dass sie wieder herauskrabbeln können. In den sogenannten Grubenfallen befindet sich eine Flüssigkeit, die zahlreiche Enzyme enthält, die wiederum die Insekten zersetzen und so diese Pflanze ernähren.

Nun schwirren in Wohnräumen in der Regel nicht unzählige Insekten herum. Aber dennoch benötigt die Kannenpflanze Nährstoffe, um zu überleben und sich gut entwickeln zu können. Genau darüber gibt es unterschiedliche Ansichten. Die einen lehnen dabei Dünger jeglicher Art grundsätzlich ab, andere wiederum empfehlen, vom Frühjahr bis zum Herbst etwa alle 2 Wochen einen stark verdünnten Orchideendünger zu verabreichen.

So muss sie daher nicht zusätzlich mit Insekten gefüttert werden. Es ist auch nicht notwendig, Wasser direkt in die Kannen zu geben, Nepenthes, Kannenpflanzen bildet von selbst ausreichend Verdauungsflüssigkeit.

Schneiden

Kannenpflanzen, Nepenthes können dazu je nach Art beachtliche Höhen erreichen und stark wuchern. Um das Höhenwachstum einzudämmen, kann man die Spitzen etwas einkürzen. Das hat zur Folge, dass die Pflanze mehr Seitentriebe bildet und buschiger wächst. Anstatt in die Höhe zu schießen wächst sie nach dem Schnitt hauptsächlich in die Breite. Die Kannen werden nicht sehr alt und vertrocknen irgendwann. Dann sollten sie abgeschnitten werden, ebenso wie andere welke Pflanzenteile.

Kannenpflanzen als Zimmerpflanzen

Überwintern

Eine gesonderte Überwinterung benötigt die Kannenpflanzen, Nepenthes daher nicht. Wie im restlichen Jahr will sie es auch im Winter warm, hell und feucht haben. Im Winter ist daher vor allem der Lichtmangel ein Problem, besonders bei einer Terrarienhaltung. Dann ist zudem eine Zusatzbeleuchtung in Form von künstlichem Licht unverzichtbar. Ansonsten sollte jetzt etwas weniger gegossen werden.

Vermehren

Kannenpflanzen, Nepenthes lassen sich sowohl über Kopf- oder Blattstecklinge als auch durch Samen vermehren. Allerdings ist die Vermehrung durch Aussaat ausgesprochen schwierig und sehr langwierig. Darüber hinaus benötigt man für eine generative Vermehrung über Samen immer zwei Pflanzen, da alle Nepenthes zweihäusig sind.

Eine Stecklingsvermehrung ist dagegen relativ unproblematisch und wesentlich erfolgversprechender. Ihre Nachkommen weisen die identischen Merkmale der Mutterpflanze auf. Soll die Pflanze ohnehin eingekürzt werden, bietet sich das Schnittgut für die Stecklingsgewinnung an.

  • Bester Zeitpunkt dafür ist das späte Frühjahr
  • Kopfstecklinge immer von einer gesunden Pflanze schneiden
  • Mutterpflanze sollte über mindestens einen langen Hochtrieb und einen Seitentrieb verfügen
  • Vom Hochtrieb 15-20 cm lange Stecklinge mit 2-3 Augen schneiden
  • Seitentriebe sollten dabei unangetastet bleiben
  • Geschnitten wird am Stamm zwischen zwei Blättern
  • Anschließend den Steckling in feuchtes Substrat stecken
  • Optimale Bodentemperatur liegt bei 35 Grad
  • Eine übergestülpte lichtdurchlässige Folie sorgt für ausreichend Luftfeuchtigkeit
  • Zur Belüftung Folie regelmäßig kurz entfernen
  • Bewurzelung auch in einem Wasserglas möglich
  • Haben sich 1-2 cm lange Wurzeln gebildet, kann der Steckling eingepflanzt werden
  • Vom Schnitt bis zur Bewurzelung dauert es ca. 3-4 Wochen

Krankheiten

Krankheiten oder ein Befall mit Schädlingen sind fast immer auf Pflegefehler zurückzuführen und lassen sich durch optimale Bedingungen in der Regel vermeiden. Trotz allem sind sie speziell bei diesen Pflanzen keine Seltenheit.

Grauschimmel/ Wurzelfäulnis

Sind die Kulturbedingungen nicht optimal, ist es zu feucht, zu dunkel und zu warm, kann das zu einem Befall mit Grauschimmel führen. Stauende Nässe kann dagegen Fäulnis hervorrufen. Meist kann das Wasser nicht richtig ablaufen oder es steht zu lange im Untersetzer.

Abhilfe kann man schaffen, indem man so schnell wie möglich in frisches Substrat umtopft, die Umgebungsbedingungen optimiert und zukünftig bedarfsgerecht wässert. Beim Umtopfen sollten faulende, kranke und abgestorbene Pflanzen- und Wurzelteile entfernt werden.

Welkende Kannen

Welke Kannen sind meist ein Indiz für zu wenig Wasser und eine zu geringe Luftfeuchtigkeit. Dementsprechend sollte man regelmäßig gießen und die Pflanzen öfter besprühen. Lufttrockenheit und Wassermangel können innerhalb kürzester Zeit den Verlust der betreffenden Pflanze zur Folge haben.

Stimmen Luftfeuchtigkeit und Wasserversorgung und ist die Pflanze ansonsten gesund, hat das Welken vermutlich eine natürliche Ursache. Die Kannen werden nur wenige Wochen oder Monate alt und sterben nach einiger Zeit ab, was absolut nichts mit einer Krankheit zu tun hat. Allerdings sollte man dabei die Kannen erst abschneiden, wenn sie vollständig verwelkt sind.

Verfärbte, fleckige Blätter

Untypische Verfärbungen oder Sprenkelungen auf den Blättern können auf zu intensive Sonneneinstrahlung hindeuten. Dann wählt man am besten einen helleren aber nicht sonnigen Standort. Dann sollte sich die Pflanze bald wieder erholen.

Fehlende Kannen

Bekommt die Pflanze zu wenig Licht, kann es passieren, dass sie keine Kannen ausbildet. Demzufolge ist ein entsprechender Standortwechsel empfehlenswert.

Schädlinge

Blattläuse/Thripse

Auch fleischfressende Pflanzen werden von Blattläusen befallen. Stellt man daher einen Befall fest, sollte man die befallene Pflanze zunächst isolieren. Zur Bekämpfung bieten sich dafür handelsübliche Spritzmittel gegen Blattläuse aber auch lebende Nützlinge aus dem Nützlingsversand an. Ein Befall mit Thripse lässt sich indem auf ähnliche Art und Weise bekämpfen. Im Handel werden auch spezielle Kombisticks angeboten, die einfach ins Substrat gesteckt werden.

Spinnmilben/Wollläuse/Schmierläuse

Ein Befall mit Spinnmilben, Woll- oder Schmierläuse an Kannenpflanzen ist dabei eher selten. Auch diese Schädlinge können mit handelsüblichen Pflanzenschutzsprays oder geeigneten Nützlingen effektiv bekämpft werden.

Sorten

Schöne Sorten der Kannenpflanzen, Nepenthes

Kannenpflanzen, Nepenthes - verschiedene Sorten

Nepenthes X ‚Hookeriana‘

Diese Sorte aus dem Tiefland von Malaysia bildet dazu hellgrüne, eher bauchige Kannen mit rötlicher Sprenkelung und elliptischer Öffnung. Sie ist sowohl für Gewächshaus als auch eine Kultivierung auf dem Fensterbrett geeignet.

Nepenthes X Ventrata

Die Haltung dieser Sorte ist auch relativ einfach. Sie benötigt eine höhere Luftfeuchtigkeit und ist eine schöne Ampelpflanze. Haltung auch auf dem Fensterbrett möglich.

Nepenthes X ‚Linda‘

Die Hybride Nepenthes X ‚Linda‘ beeindruckt mit bis zu 29 cm großen rötlichen Kannen. Sie eignet sich gut für ein Ost- oder Westfenster.

Nepenthes X ‚Rebecca Soper‘

Nepenthes X ‚Rebecca Soper‘ fällt durch ihre langen, dunkel bordeauxfarbenen Kannen auf, die eine Größe von ca. 20 cm erreichen können. Der obere Rand ist nahezu schwarz. Auch sie kann im Gewächshaus und auf dem Fensterbrett gehalten werden.

Beachtenswertes

Laut Washingtoner Artenschutzabkommen sind zudem alle Nepenthes-Arten geschützt, was man deshalb vor dem Kauf berücksichtigen sollte. Dementsprechend sollte man nur Pflanzen kaufen, die in speziellen Gärtnereien gezogen wurden. Und wenn man die größten Pflegefehler vermeidet, kann man sehr lange Freude an diesen faszinierenden Exoten haben.

  • Dafür keine handelsübliche Blumenerde verwenden
  • Das Substrat von Kannenpflanzen niemals austrocknen lassen
  • Ausschließlich mit kalkfreiem Wasser gießen
  • Wasserzufuhr immer nur in den Untersetzer
  • Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden
  • Dauerhaft auf optimale Temperaturen und Luftfeuchtigkeit achten