Zu Recht verzaubern Orchideen Pflanzenliebhaber. Mit ihren zauberhaften Blüten und einer hinreißenden Farbpracht sind sie Zierde und Stolz ihrer Besitzer. Die Pflege der Orchidee ist insbesondere für Einsteiger nicht ganz einfach. Ein spezielles Bodensubstrat und wenig Wasser sind für die Entwicklung der Blüten wichtig. Hier beschreiben wir für Sie: Orchideen richtig pflegen von A-Z vor.

Die Vielfalt der Orchideen lässt sich leicht erklären. Mit bis zu 30.000 Arten und rund 1000 Gattungen bringen die Orchideengewächse eine ganz besondere Vielfalt hervor. Aufgrund ihrer prächtigen Blüten, die sich von Art zu Art unterscheiden, wird sie zu Recht als die Königin der Blumen bezeichnet. Pflanzenliebhaber müssen sich hier auf eine andere Form der Pflege einstellen. Denn Die Orchidee hat weder klassische Wurzeln noch wächst sie in weicher Blumenerde. Auch die Blühfähigkeit wird durch die Pflege stark beeinflusst.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Orchideen (Orchidaceae)
  • Gattung: Gefäßpflanzen
  • Art: Samenpflanzen, Bedecktsamer
  • Trivialnamen: Königin der Nacht, Orchidaceae
  • Herkunft: Asien, Südamerika, viele Teile der Welt außer Wüsten
  • Einkeimblättrige Pflanzen, Bedecktsamer
  • Wuchshöhe: 20 cm bis zu 100 cm je nach Art
  • Blütezeit von Mai bis Oktober, je nach Art und Pflege
  • traubenförmige Blütenstände mit unterschiedlichen Blütenformen, ebenfalls je nach Art
  • besonders großes Farbspektrum von zartem Weiß bis Violett und Mehrfarbigkeit
  • Dunkelgrüne Blätter mit Luftwurzeln
  • vegetative Vermehrung durch Samenkapseln
Frauenschuh
Orchidee Paphiopedilum – Frauenschuh

Wenn Sie einmal die Pflege-Anleitung für Orchideen verinnerlicht haben, werden Sie schnell die Unterschiede zu anderen Pflanzen hinsichtlich des Bodens und Gießens bemerken. Da jede Art ihre ganz besonderen Eigenschaften hat, ist es wichtig, dass Sie Ihre Orchideen beobachten und ihre Bedürfnisse erkennen. Unsere Pflege-Anleitung geht hier auf die allgemeinen Umstände ein, die für die meisten, der im Handel erhältlichen Orchideen gilt.

Pflege-Anleitung

Substrat

Ideal ist ein sehr leichtes Substrat, das viele Zwischenräume zulässt. In der Regel handelt es sich hier eher um grobe Stücke von Rinden, Kokosfasern und Moos. Die aus dem Topf herausragenden Wurzeln benötigen viel Luft, Platz und Licht. Aus diesem Grund eignet sich für die Pflege ein spezieller Korb mit verschiedenen Holzarten und Rinde. Die unterste Schicht kann aus einer Drainage wie Blähton bestehen. Sie sorgt dafür, dass Wasser jederzeit ablaufen kann. Besonders nährstoffreich muss der Boden nicht sein. Geben Sie der Orchidee:

  • ein leichtes, durchlässiges Orchideen-Substrat aus Rinde, Kokos und Moos
  • nährstoffarm
  • keine Blumenerde verwenden!
  • im Idealfall mit Regenwasser gießen

Standort

Generell sollte der originale Lebensraum imitiert werden. Das bedeutet Licht, aber keine direkte Sonnenstrahlung und relativ hohe Luftfeuchtigkeit. Orchideen können durchaus auch im Außenbereich wie der Terrasse stehen. Hier sollte der Standort in jedem Fall windgeschützt ausgewählt werden. Sie lieben den Schatten eines Baumes oder großen Strauches, dennoch darf es wiederum nicht zu dunkel sein. Ebenso eignet sich für die Beschattung ein Blumenspalier. Sollten Sie vom Regen verwöhnt werden, muss gewährleistet sein, dass das Wasser ablaufen kann. Die Ost- oder Westausrichtung auf der Fensterbank eignet sich sehr gut als Standort. Hier bekommen sie viel Licht, sind aber nicht der intensiven Mittagssonne ausgesetzt. Das Wichtige in Kürze:

Orchidee Phalaenopsis
Orchidee Phalaenopsis
  • heller Standort mit viel Licht
  • ideal in Ost-West-Ausrichtung
  • bei Südfenstern die Blätter regelmäßig besprühen
  • im Freiland auf windgeschützten Standort achten

Aussaat

Die Vermehrung durch Samen ist sehr schwierig. Meist gelingt dies nur den professionellen Zuchtbetrieben. Die Schwierigkeit der Aussaat besteht in der Größe der Samen. Diese sind fein wie Staub und damit nicht leicht zu handhaben. Sie bilden sich, wenn Pollen innerhalb einer Orchideenblüte auf die Narbe fällt. Anschließend dauert es einige Wochen, manchmal sogar Monate bis sich kleine Samenkapseln ausgebildet haben. Erst wenn sie ausreifen, fallen sie auf den Boden, wo sie aufplatzen. Eine einige Samenkapsel kann bis zu eine Million winzigster Samen enthalten, die sich als feiner Staub zeigen. Daher zeigen wir Ihnen die Vermehrung durch Teilen detaillierter auf.

Pflanzen

So wird die Orchideenpflanze getrennt:

Nehmen Sie die Orchidee aus dem Topf und lösen Sie die Wurzeln voneinander. Dabei werden die einzelnen Blattbüschel auseinandergezogen. Arbeiten Sie mit Vorsicht und bemühen Sie sich, die Wurzeln nicht abzubrechen oder abzureißen, sondern trennen Sie sie nur voneinander. Sollten dennoch Bruchstellen vorkommen, schneiden Sie diese mit einer Schere ab. Auch schwache Luftwurzeln ohne Saft werden entfernt. Sie haben ihre Farbe verloren und sehen augenscheinlich trübe aus.

Den neuen Topf vorbereiten

Für den neuen Topf können Sie spezielle Orchideenerde aus dem Handel verwenden oder ein Substrat selbst herstellen. Hierbei sollte es sich um eine harmonische Kombination von Rinde, etwas Blähton handeln. Auch etwas trockenes Buchenlaub eignet sich als Komponente, da die Blätter im Laufe der Zeit ihre Nährstoffe an die Wurzeln abgeben und die Orchidee in ihrem Wuchs stärken. Auch Kokosfaser ist hier angebracht, denn es nimmt keine Feuchtigkeit auf und sorgt für eine gute Luftzirkulation im Topf.

Orchidee umtopfen
Orchidee Phalaenopsis
  • Mischen Sie Ihre eigene Orchideen-Erde an
  • Kokosfasern, Blähton und vor allem Rinde eignen sich
  • je kleiner die Pflanze und deren Wurzeln, umso kleiner sollten die Rindenstücke sein
  • im Topf für gute Luftzirkulation sorgen
  • Materialien wie Gartenerde meiden, da sie für Staunässe sorgt

Das Umtopfen

Nach der Teilung werden die Pflanzen für fünf bis zehn Minuten in handwarmes Wasser gestellt. In dieser Zeit bereiten Sie den neuen Topf vor. Die Wurzeln werden auf die untere Schicht gelegt und sollten hierbei den Rauminhalt ausfüllen, aber keineswegs eingequetscht werden. Dann wird das Substrat portionsweise zugegeben. Wichtig:

Orchideewurzeln

  • Die Wurzeln müssen im neuen Topf viel Platz und Luft haben
  • Dennoch keine großen Hohlräume entstehen lassen
  • Den Topf mit einer Stufe im Inneren versehen, sodass Wasser abläuft und die Wurzeln trocken bleiben

Pflanzzeit

Für die Entwicklung neuer Wurzeln und neuer Blätter benötigt die Orchidee Licht. Die Frühjahrsmonate ab März sind hier ideal. Gleichzeitig ist es die Vorbereitungsphase der Blühzeit, die Knospenbildung wird also noch nicht gestört. In den Wintermonaten ist das Umtopfen bzw. Teilen ungünstig, da die Lichtverhältnisse nicht ausreichend sind.

Andererseits muss auch gesagt werden, dass jene Orchideen-Arten, die ihre Blätter im Herbst bilden, auch zu dieser Zeit umgetopft werden können.

Gießen

Das Gießen der Orchideen kann für den wasserverwöhnten Naturfreund zur Herausforderung werden. Denn wer hier zu viel gießt, wird seine schönen Orchideen bald ruinieren. In der Regel brauchen die Königinnen der Nacht nur einmal wöchentlich oder nur alle zehn Tage Wasser. Ausschlaggebend ist der Raum, in den sie wachsen. Doch auch die einzelnen Sorten haben ein unterschiedliches Bedürfnis nach Wasser. Am Ende werden Sie einen grünen Daumen entwickeln, indem Sie Ihre Pflanzen beobachten.

Orchidee Phalaenopsis
Orchidee Phalaenopsis

Erfahrungsgemäß bietet es sich an, Orchideen einmal wöchentlich zu baden. Die Pflanzen werden für 10 – 20 Minuten in handwarmes Wasser gestellt. Insbesondere bei Orchideen ist Regenwasser besonders gut! Wenn Sie die Möglichkeit haben, nehmen sie dieses weiche Wasser, das zudem auch viele Nährstoffe enthält. Das Gießen mit Regenwasser kommt dem natürlichen Lebensraum am nächsten, was vor allem der Blütenentwicklung zugutekommt.

  • optimal ist Regenwasser für Orchideen
  • sofern nicht vorhanden, abgestandenes lauwarmes Wasser nutzen
  • einmal wöchentlich die Pflanzen tauchen
  • bei sehr geringer Luftfeuchtigkeit mehrmals in der Woche besprühen

Zusätzlich kann es notwendig sein, die Pflanzen, die in den Sommermonaten am Fenster stehen, zu besprühen. Entwickeln sich dort warme Temperaturen, brauchen sie diese frische Dusche. Doch auch hier gilt: Niemals die Pflanzen mit kaltem Wasser besprühen. Raumtemperatur ist das Minimum, um sie nicht zu verschrecken.

Düngen

In der Regel brauchen Orchideen keinen oder nur sehr wenig Dünger. Wichtig ist, dass Sie speziellen Orchideen-Dünger verwenden. Diese Blumen haben einen Nährstoffbedarf in ganz spezieller Zusammensetzung, der in dieser Form nur im Orchideen-Dünger zu finden ist. Sofern Sie jedoch der Pflanze mit einem ausgewogenen Substrat die ideale Basis geben, wird sie über lange Zeit hinweg viele der schönen Blüten entwickeln. Beginnt die Ruhephase der Orchidee wird auch in dieser Zeit nicht gedüngt.

Orchidee Phalaenopsis
Orchidee Phalaenopsis

Schneiden

Nach dem Blühen können Orchideen geschnitten werden. Ebenso bietet es sich an, vertrocknete oder etwa verfaulte Pflanzenteile auszuputzen. Es sind meist die Blütenstängel und das Laub sowie wenige Wurzeln. Bei kaum einer anderen Pflanze ist das saubere Abschneiden so wichtig wie bei der Orchideen. Geschnitten wird mit einem sauberen Messer oder einer Schere. Diese Vorsicht ist geboten, damit keine Pilze oder Keime in die Pflanze dringen können. Je nach Empfindlichkeit der Pflanzen können Sie die Schneidwerkzeuge vor der Nutzung desinfizieren.

Überwintern

Die Überwinterung ist Teil der Ruhephase der Orchideen. Die Pflanzen sollten jetzt nicht zu dicht am Fenster stehen. Je nach Art mögen einzelne Exemplare jetzt sogar besonders die etwas kühleren Temperaturen. Wichtig in den Wintermonaten: Nicht oder sehr selten düngen, maximal einmal im Monat.

Vermehrung

Bei der Vermehrung über die vegetative Vermehrung, also der Teilung, entsteht ein identischer Klon der Mutterpflanze. Diese werden in der botanischen Sprache auch Hybride genannt. Über die Samenvermehrung entstehen jedoch neue, unterschiedliche Pflanzen.

Orchideen bilden Tochterpflanzen, sogenannte Kindel. Die Vermehrung über diese Tochterpflanzen ist weitaus einfacher als die Aussaat und Keimung der Samen. Dabei erscheinen bei einigen Orchideenarten an den Blütenstängeln die kleinen Tochterpflanzen. Bei anderen Sorten wiederum entwickeln sich die Kindel an den abgeblühten Pseudobulben. Der erste Schritt zur Vermehrung durch Teilung kann über die Anregung der Kindelbildung erfolgen. Dazu schneiden Sie die Blütenstängel einfach etwas zurück.

Viele der Orchideen-Arten wachsen in die Breite, das macht die Vermehrung umso einfacher. Sofern wenigstens acht Triebe mit Verdickung (die sogenannten Pseudobulben) vorhanden sind, kann die Pflanze geteilt und umgetopft werden. Dieses Teilen verhilft den Orchideen, es hält sie jung und sie entwickeln wieder eine neue Blühfreudigkeit. Der neue Pflanztopf mit größerem Platz bietet mehr Energie und Nährstoffe für neue Blüten. Die kleinen Pflanzen werden daraufhin in den vorbereiteten Topf gesetzt. In jedem Falle muss das Ablaufen des Wassers gewährleistet sein. Ideal sind Orchideentöpfe, die über eine integrierte Stufe im Topf verfügen, die dafür sorgt, dass Gießwasser abfließen kann.

Schädlinge

Blattläuse

Hin und wieder werden Orchideen von Blattläusen befallen. Bewährte Hausmittel wie eine milde Seifenlauge aus Kernseife oder die Mischung von 90 Milliliter Spiritus zu 140 Milliliter Wasser verscheuchen die kleinen Insekten schnell. Das Gemisch wird in einen Wassersprüher gegeben, um die grünen Blattteile zu besprühen. Auf keinen Fall die Blüten besprühen!

Schildläuse

Haben sich kleine ovalförmige Schildläuse mit braunem Panzer auf den Pflanzen niedergelassen, lassen sich die Schädlinge mit Teebaumöl bekämpfen. Ebenfalls ein paar Tropfen in den Wassersprüher geben, besprühen und bei Bedarf wiederholen.

Krankheiten

Von Krankheiten werden Orchideen eher selten befallen. Auftreten können selten Pilze oder Harztropfen, die meist jedoch aufgrund von falscher Pflege herrühren. In solchem Fall gehen Sie wie folgt vor:

Orchidee vanda
Orchidee vanda
  • befallene Orchideen sofort isolieren, um andere Pflanzen zu schützen
  • befallene Pflanzenteile mit einem Messer oder der Schere abschneiden
  • Harztropfen treten meist aufgrund von zu starker Sonneneinstrahlung auf
  • Standort wechseln und für gute Luftzirkulation sorgen

Sorten und Arten

Oncidium: wunderschöne Blütenform, leicht wulstig mit Erhebung am Lippengrund, wächst meist in Gelb oder Braun.

Brassa Orchideen: Wegen ihrer ungewöhnlichen Blütenform auch als Spinnenorchidee bekannt. Wunderschöne Exemplare in Mischfarben wie Gelb-Braun, Violett oder zartem Weiß, in Zweifarbigkeit mit auffallendem Punktmuster.

Die Burrageara „Nelly Isler“ ist eine von Züchtern geschaffene Art, hier fließen die Merkmale der Oncidiumorchidee, der Miltonia-, der Cochlioda- und Odontoglossumorchidee ein. Auffällig schöne Blütenform in leuchtenden Rottönen, die unteren Blütenblätter sind heller eingefärbt.