Flieder, Syringa, Fliederbaum, Fliederbusch

Zu den klassischen Gartensträuchern oder kleineren Bäumen, die die Essenz des Frühlings verströmen, gehört der Flieder (Syringa). Die röhrenförmigen Blüten, die im Mai am Gehölz erscheinen, wachsen in bunten Rispen und strahlen einen exquisiten, einzigartigen Duft aus. Ohne Blüten tritt das Erscheinungsbild des Fliederstrauches eher in den Hintergrund. Wie Sie bei der Kultivierung des Flieders alles richtig machen, zeigt diese Pflege-Anleitung.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Ölbaugewächse (Oleacea)
  • Gattung: Flieder (Syringa)
  • Trivialnamen: Fliederbaum, Flieder, Fliederbusch
  • Herkunft: Asien und Südosteuropa
  • sommergrüne Sträucher oder kleine Bäume
  • Wuchshöhe: zwischen 1,5 und 7 m
  • Blütezeit: Mai/Juni
  • duftende, blauviolette, rosafarbene oder weiße Blütendolden

Ein Fliederbaum fristet das ganze Jahr über ein eher unscheinbares Dasein – bis sich im Mai seine Blüten öffnen und eine spektakuläre Show für die Sinne beginnt. An betörenden Düften ist ein Fliederbusch kaum durch eine andere Pflanze im Garten zu toppen und auch das äußere Erscheinungsbild der meist violetten oder weißen Blütenrispen lässt kaum zu wünschen übrig.

Während früher in keinem Park oder Bauerngarten der duftende Strauch fehlen durfte, ist er in den letzten Jahren etwas aus der Mode gekommen. Jetzt erfährt der Flieder mit neuen Sorten und auch alten Züchtungen ein Comeback in unseren Gärten.

Fliederbusch - sommergrüne Sträucher oder kleine Bäume

Von Mai bis Juni leuchten überall im Garten blühende Fliedersträucher. Manchmal wird der Flieder als Deckstrauch zur Bepflanzung von Böschungen oder als Windschutz empfohlen. So vielseitig die Einsatzgebiete des Duftstrauches auch sein mögen, er verdient eine ganz besondere Stellung im Garten, damit seine Schönheit gebührend zur Geltung kommt.

Flieder wächst meist als vielstämmiger Strauch, manchmal auch als kleiner Baum von bis zu sieben Meter Wuchshöhe. Wer nur eingeschränkt Platz hat, ist mit einem Zwergflieder oft besser bedient.

Pflege

Mit einem Fliederstrauch holen Sie sich eine sehr unkomplizierte und anspruchslose Pflanze in den Garten, die auch ohne aufwendige Pflege über Jahre hinweg ausdauernd und üppig blüht. Wer ein paar grundlegende Regeln beherzigt, wird daher viel Freude an dem Gehölz haben und sich jedes Jahr im Frühjahr an der duftenden Blütenfülle erfreuen können.

Standort

Beim Standort für den Fliederbaum ist vor allem eines zu beachten: Flieder ist ein ausgesprochenes Sonnenkind und verträgt keinen Schatten. Deshalb wird der Strauch am besten an exponierter Stelle als Solitärpflanze oder an einer südlichen bis südwestlichen Hauswand gepflanzt. Bekommt der Flieder zu wenig Licht, bildet er zwar fleißig Blattmasse aus, blüht aber nur sehr verhalten.

  • Lichtbedarf: vollsonnig
  • mindestens sechs Sonnenstunden am Tag
  • gute Luftzirkulation notwendig
  • verträgt Stadtklima

Bodenbeschaffenheit

Der Flieder zeigt sich als sehr unkomplizierter Strauch, denn er liebt zwar kalkhaltige und nährstoffreiche Böden, kommt aber auch bestens mit schwach saurem Gartenboden zurecht. Damit das Gehölz seine volle Schönheit entfalten kann, sollte das Erdreich fruchtbar, humos und gut durchlässig für Wasser sein. Steht ein Fliederbaum zu nass, wird er nur unzureichend blühen.

  • humos
  • mittlerer Nährstoffgehalt
  • fisch feucht bis mäßig trocken
  • sandig-lehmig und locker
  • gut durchlässig
  • pH-Wert: neutral oder leicht kalkhaltig
  • einige Sorten mögen auch leicht saures Substrat

Flieder, Syringa - mag einen vollsonnigen Standort

Pflanzzeit

Damit der Fliederstrauch vor dem Austreiben im Frühjahr gut einwurzelt, liegt die beste Pflanzzeit im Herbst. Sollten Sie die Pflanzsaison im Herbst verpasst haben, können Sie auch eine blühende Containerpflanze im Frühjahr kaufen und in den Garten oder einen großen Kübel pflanzen.

Pflanzen im Beet

Der Flieder kommt mit jedem gewöhnlichen Gartenboden zurecht, insofern dieser gut entwässert. Deshalb ist es nicht besonders schwierig, eine passende Stelle in sonniger Lage im Garten zu finden, die perfekte Wachstumsbedingungen für den Strauch oder kleineren Baum bietet. Vor der Pflanzung sollte der Gartenboden gut aufgelockert und etwas reifer Kompost eingearbeitet werden.

  • Pflanztiefe: etwas tiefer als im Topf
  • Ausnahme: bei nassen Böden
  • hier zunächst Drainage anlegen
  • einen leichten Hügel mit Substrat anschütten
  • Flieder etwa 10 cm über Erdniveau pflanzen
  • Pflanzloch: mindestens doppelte Ballengröße
  • Wurzelballen vor dem Pflanzen gut wässern
  • Pflanze einsetzen und Erde ergänzen
  • leicht antreten und angießen

Damit der Flieder blühwillig bleibt, sollte der Boden etwa einen Meter um den Strauch herum frei von Rasen, Unkraut oder anderer Bepflanzung bleiben. In den ersten Wochen nach der Pflanzung ist eine ausreichende Versorgung mit Wasser für den Blühstrauch unerlässlich.

Pflanzen im Topf

Nahezu alle Arten des Flieders können auch in Pflanztöpfen kultiviert werden. Besonders die Zwergfliederarten machen wegen ihrer geringen Wuchshöhe wenig Arbeit. Große Exemplare wie Syringa vulgaris bieten ganzjährig einen besonders schönen Anblick, wenn sie auf einem kurzen „Stamm“ wachsen.

Damit der Strauch nicht zu voluminös wird, sollten dafür jährlich ein paar sehr alte oder dünne Triebe herausgenommen werden. Da der Flieder Trockenheit verträgt, überlebt er in Pflanzgefäßen besser als andere Ziergehölze.

Flieder, Syringa, Fliederbaum - mit dunkelgrünen, matten Blättern

Substrat

Bei der Pflanzung eines Fliederstrauches in ein Pflanzgefäß sollte vor allem darauf geachtet werden, dass das Substrat gut durchlässig für Wasser und Luft ist. Am besten eignet sich eine hochwertige Kübelpflanzenerde, die alle Bestandteile bereits fertig kombiniert enthält.

Eigene Mischungen können aus verschiedenen Komponenten selbst hergestellt werden:

  • 70 % humose Blumenerde
  • 10 % grober Sand oder Split
  • 10 % Perlite oder Lavagranulat
  • 10 % Kompost oder Torfmoos
  • je nach Art: eine Handvoll Kalk

Umtopfen

Flieder benötigt relativ große, stabile Pflanztöpfe. Nicht nur die Wurzeln müssen ausreichend Platz haben, bei größeren Arten muss der Kübel auch bei Wind gegen ein Umstürzen gesichert sein. Zu Beginn ist ein jährliches Umtopfen der Jungpflanzen notwendig. Werden ältere Exemplare aber regelmäßig zurückgeschnitten und damit im Wachstum eingeschränkt, ist auch das Umtopfen erst in größeren Abständen notwendig.

  • im Alter möglichst großen Pflanztopf auswählen
  • muss Drainageöffnungen enthalten
  • am besten schwere Exemplare aus Stein oder Ton wählen
  • Jungpflanzen häufiger umtopfen (mindestens jährlich)
  • alte Büsche nur noch alle drei bis vier Jahre mit frischer Erde versorgen

Gießen

In Zeiten von niedrigen Niederschlagsmengen muss der Fliederbusch zusätzlich gewässert werden. Das ist aber nur dann notwendig, wenn es für längere Zeit nicht regnet oder die Außentemperaturen im Sommer sehr hoch sind. Auf zu viel Wasser reagiert der Flieder empfindlich, deshalb sollte er nur verhalten gegossen werden.

Düngen

Versorgen Sie Ihren Fliederbaum jedes Jahr mit einer Portion reifem Kompost, der entweder als Schicht auf dem Boden ausgebreitet oder vorsichtig unter die Gartenerde geharkt wird. Sie können pro Strauch auch eine Handvoll hochwertigen Blühstrauchdünger (NPK 10-10-10) im Spätwinter unter die Erde mischen. Aber bitte auf keinen Fall mehr, denn überdüngte Pflanzen blühen nicht, sondern bilden nur Blattmasse. Nach der Blüte sollten sehr saure Böden gekalkt werden.

  • Spätwinter: eine Handvoll Blütenstrauchdünger pro Pflanze
  • alternativ im Frühjahr etwas reifen Kompost einarbeiten
  • eventuell im Juni kalken

Ab August darf der Fliederstrauch nicht mehr gedüngt werden, damit frische Triebe noch vor den ersten Frösten verholzen und damit ausreichend winterhart sind.

Schneiden

Einen Flieder sollte man nur sehr verhalten schneiden. Denn am besten wächst der Strauch, wenn man ihn in Ruhe lässt. Flieder bildet seine großen Blütenstände am zweijährigen Holz. Werden die einjährigen Triebe also nicht geschnitten, können sie folglich im nächsten Jahr blühen.

Flieder, Syringa - mit duftenden Blütendolden

Pflegeschnitt

Natürlich können Sie Verblühtes genauso wie totes oder krankes Holz an einem trockenen Tag herausschneiden. Die Schnittstellen trocknen so schneller ab und schließen sich besser. Das verhindert das Eindringen von Krankheitserregern.

  • nur an bewölkten, aber trockenen Tagen schneiden
  • Frühling: erfrorene Triebe schneiden
  • während der Blüte: Verblühtes am Ansatz abschneiden
  • Pflegeschnitt: nach der Blüte
  • abgestorbene Äste herausnehmen
  • kranke Triebe bis ins gesunde Holz zurückschneiden
  • schwache und stark schießende Zweige entfernen
  • nach innen wachsende und sich kreuzende Äste entfernen

Verjüngungsschnitt

Ist ein alter Fliederbaum langsam etwas aus der Form geraten, kann ein radikaler Verjüngungsschnitt Wunder wirken.  Einen Radikalschnitt sollte man vorzugsweise im Sommer tätigen. Es gibt prinzipiell zwei Möglichkeiten, den Flieder zu verjüngen. Zum einen kann der gesamte Strauch radikal zurückgeschnitten werden.

Das macht weniger Arbeit, dauert dann aber, bis er wieder blüht (mindestens zwei Jahre). Eine passable Alternative ist es, jeweils drei Jahre lang nur ein Drittel der Haupttriebe zu kürzen.

  • Zeitpunkt: prinzipiell ganzjährig, beste Zeit ist im Sommer
  • kleinere Sträucher: alle Haupttriebe auf einen Meter Höhe kürzen
  • große Sträucher und Bäume auf Augenhöhe einkürzen
  • auf glatten, sauberen Schnitt achten
  • alternativ ein Drittel der ältesten Triebe auf Bodenniveau einkürzen
  • entfernen Sie alle Wurzelsprosse
  • Heckenpflanzen im Fünfjahresrhythmus verjüngen (jedes Jahr ein Fünftel schneiden)

Flieder ist sehr schnittverträglich und treibt zuverlässig wieder neu aus. Manche Exemplare müssen wegen Platzmangels alle fünf bis sechs Jahre einem Radikalschnitt unterzogen werden. Wer alle Triebe auf einmal kürzt, muss damit rechnen, dass der Strauch in den kommenden zwei bis drei Jahren nicht blühen wird.

Überwintern

Freilandpflanzen sind in unseren Breitengraden ausreichend winterhart (bis -30 Grad) und benötigen keinerlei Winterschutz. Kübel sollten auf eine Styroporplatte oder „Füße“ gestellt werden und der Kübel mit Vlies umwickelt werden, um das Durchfrieren des Wurzelballens zu verhindern.

Vermehren

Da die Samen des Flieders nur schwer keimen, kann das Gehölz am besten vegetativ vermehrt werden. Es gibt drei unterschiedliche Methoden, neue Pflanzen zu bekommen:  Stecklinge, Schösslinge und Steckhölzer.

Flieder, Syringa - mit violetten, rosanen oder weißen Blütendolden

Schösslinge

Bei älteren Pflanzen zeigen sich Ableger, sogenannte Schösslinge, die sich aus dem Wurzelwerk bilden und neben der Pflanze aus dem Boden treiben. Diese Schösslinge können Sie im Sommer ausgraben und an andere Stelle im Garten verpflanzen.

  • großzügig die Erde um den Schössling aufgraben
  • mit scharfem Messer von der Mutterpflanze trennen

Bei Edelsorten wie ‚Charles Joly‘ oder ‚Andenken an Ludwig Späth‘ bringt die Methode der Schösslinge nichts, da es sich meist um veredelte Sorten handelt. Veredelter Flieder wird entweder auf Liguster oder auf junge Sämlinge der Wildart aufgepfropft.

Steckhölzer

Eine weitere, sehr einfache Methode ist die Vermehrung durch Steckholz. Geeignet ist sie für den Chinesischen Flieder (Syringa x chinensis), den Ungarischen Flieder (Syringa josikaea) und den Bogen-Flieder (Syringa reflexa). Bei Edelfliederarten ist die Erfolgsquote sehr gering. Da nur etwa jedes zehnte Steckholz anwächst, sollten Sie immer gleich viele Steckhölzer schneiden.

  • Zeitpunkt: Herbst, nach dem Laubfall
  • gut entwickelte, einjährige Triebe aussuchen
  • etwa 15 cm lange Stücke schneiden
  • die Stücke müssen oben und unten mit einem Knospenpaar abschließen
  • unten seitlich die Rinde etwas abschaben
  • in halbschattiges Beet mit humoser Erde stecken
  • mit Vliestunnel abdecken
  • alternativ: in ungeheiztes Gewächshaus

Stecklinge

Bei nahezu allen Fliederarten ist eine Stecklingsvermehrung möglich. Diese Methode wird vor allem bei Hybriden angewendet. Dazu schneiden Sie im Frühsommer mehrere 15 cm lange Triebe. Entfernen Sie das untere Blattpaar und stecken Sie den Steckling in feuchte Anzuchterde. An einem warmen, halbschattigen Standort bewurzelt der Steckling innerhalb der nächsten Wochen oder Monate.

Sorten

Neben den Edelfliedersorten mit ihren großen, dichten Blüten sind es vor allem die französischen und russischen Sorten, die wieder auf dem Vormarsch sind. Zu einer der schönsten Sorten des Flieders gehört ‚Beauty of Moscow‘ mit polarweißen, porzellanartigen Blüten.

Fliederbusch mit weißen, duftenden Blütendolden

Syringa vulgaris ‚Charles Joly‘

  • Edelflieder mit dicht bewachsener Blütenrispe
  • Farbe: Magenta
  • Wuchshöhe: 3 bis 7 Meter

Syringa vulgaris ‚Primrose‘

  • Edelflieder mit dichter, voller Blütenrispe
  • Blütenfarbe: Weiß
  • Wuchshöhe: bis 7 Meter

Syringa vulgaris Sensation (Edelflieder Sensation)

  • auffallend große Einzelblüten in zwei Farben
  • Blütenfarbe: violett mit weißem Saum
  • Wuchshöhe: 3 bis 7 Meter

Syringa vulgaris Alba (Weißer Wildflieder)

  • heimische Fliederart
  • sehr widerstandsfähig
  • bis zu 20 cm lange, weiße Rispen
  • Wuchshöhe: 4 bis 7 m

Syringa ‚Tinkerbelle‘

  • Zwergduftflieder
  • Blüten: außen Dunkel-, innen Hellrosa
  • Wuchshöhe: 150 bis 200 cm
  • perfekt für Kübel oder kleine Gärten

Syringa patula ‚Miss Kim‘ (Koreanischer Zwergflieder)

  • Zwergduftflieder
  • Blüten: weißlich mit einem Hauch ins Bläuliche, sehr filigran
  • Wuchshöhe: 150 cm

Syringa reflexa (Bogenflieder)

  • lange, überhängende Blütenrispen
  • Wuchshöhe: 3 bis 4 m
  • bevorzugt leicht saures Bodenmilieu

Krankheiten

Am richtigen Standort ist der Flieder nicht besonders anfällig für bestimmte Krankheiten. Bekommt die Pflanze jedoch nicht genügend Sonne oder ist der Gartenboden zu nass, wird der sonst so robuste Strauch empfindlicher und anfällig für diverse Pilzerkrankungen oder auch eine Bakterien- oder Vireninfektion.

Flieder, Syringa, Fliederbaum kann bis zu 7 m in die Höhe wachsen

Hierzu zählen:

  • Echter Mehltau
  • Blattrollkrankheit (Virus)
  • Wurzelknoten-Nematoden
  • Verticilium-Welke

Schädlinge

Im Sommer findet man gelegentlich Läuse oder auch Raupen von Schmetterlingen oder der Fliedermotte auf dem Flieder. In der Regel richten die Tierchen aber keinen nennenswerten Schaden an.