Tradescantia, Dreimasterblume, Gottesauge

Diese außergewöhnlichen Wildblumen bieten nicht nur einmal etwas völlig anderes für den Garten, sie sind auch einfach zu kultivieren und benötigen wenig Pflege. Die Rede ist von der Dreimasterblume, auch Gottesauge oder Wilder Heinrich genannt. Die dreiflügeligen Blüten erscheinen meist in Blau oder Violett, manchmal auch Rosa oder Weiß. Einige Arten gehören zu den Zimmerpflanzen, andere sind fürs Freiland geeignet.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Commelinagewächse (Commelinaceae)
  • Gattung: Dreimasterblumen (Tradescantia)
  • Trivialnamen: Gottesauge, Dreimasterblume, Tradeskantie, Wasserranke, Wilder Heinrich
  • Herkunft: Süd- und Mittelamerika
  • Arten: mehrere Dutzend weltweit
  • mehrjährige, krautige Pflanze (einige Arten sind sukkulent)
  • Wuchshöhe: 20 bis 60 cm
  • Blütezeit: Mai bis September
  • dreizählige Blüten in Blau, Violett, Rosa oder Weiß
  • Verwendung: als Zimmer- oder Gartenpflanze (je nach Art)
  • sommergrüne, doppelt gefiederte, gegenständige Blätter

Die Blüte der Tradescantia öffnet sich nur für einen einzigen Tag. Das fällt aber durch die üppige Blütenpracht gar nicht auf. Diese ursprünglich anmutende Staude ist wegen ihrer dekorativen Blätter, die je nach Art teilweise grasschopfartig überhängen, und der ungewöhnlich geformten, oft wunderbar duftenden Blüten beliebt.

Tradescantia, Dreimasterblume, Gottesauge

Einige Gärtner denken bei Tradeskantien eher an Zimmerpflanzen, andere an eine Gartenstaude – und beide haben Recht. Manche Arten sind durch ihre ausreichende Frosthärte als Freilandpflanze geeignet, die übrigen lieben warme Standorte und werden daher ganzjährig in der Wohnung kultiviert.

Die Dreimasterblumen sind mit vielen verschiedenen Arten ausschließlich auf dem amerikanischen Kontinent heimisch. Sämtliche Vertreter der Tradescantia gelten als anspruchslos und blühen über einen langen Zeitraum. Gottesaugen blühen in den unterschiedlichsten Farben und haben – obwohl sie nicht zu den Prachtstauden gehören – wunderschöne dreispitzige Schalenblüten mit auffälligen Staubblättern.

Pflege

Die Pflege der Dreimasterblume ist denkbar einfach. Wichtig ist jedoch, die richtige Art für den entsprechenden Standort auszuwählen. Es gibt zahlreiche Tradeskantienarten, die nicht frosthart sind und daher ausschließlich für die Zimmerkultur eingesetzt werden. Winterharte Sorten sind die perfekte Ergänzung zu Trollblumen und Blutweiderich in der Nähe eines Gartenteiches oder auch für ein Blumenbeet geeignet.

Standort

Dreimasterblumen sind in der Lage, bei nahezu allen Lichtverhältnissen zu wachsen. Lediglich in der prallen Sonne und im vollen Schatten fühlen sich die anpassungsfähigen Stauden nicht wohl. Für die meisten Freilandstauden ist ein halbschattiger Platz mit einigen Sonnenstunden am Morgen oder Abend optimal.

  • Freilandkultur: absonnig bis halbschattig
  • Zimmerkultur: hell, ohne direkte Mittagssonne
  • Zimmerpflanzen benötigen ganzjährig Temperaturen um 20 Grad

Tradescantia, Dreimasterblume, Gottesauge im Gartenbeet

Zimmerpflanzen bevorzugen sehr helle Lichtverhältnisse ohne die direkte Mittagssonne. An einem Ost- oder Westfenster, oder auch am Südfenster hinter einer Gardine fühlen sie sich besonders wohl.

Bodenbeschaffenheit

Der Gartenboden sollte humos und nährstoffreich sein. Eine gute Drainage ist ebenso wichtig wie die Eigenschaft des Bodens, Feuchtigkeit ausreichend zu speichern. Die Dreimasterblume bevorzugt einen leicht feuchten Boden, der nicht zu Staunässe neigt.

  • lehmig-humos
  • nährstoffreich
  • leicht sauer bis neutral
  • gut durchlässig
  • feucht-frisch

Das Gottesauge eignet sich hervorragend zur Bepflanzung von Uferregionen von Gartenteichen und Bachläufen oder auch zur Unterpflanzung von Büschen, an denen der Boden in den Mittagstunden beschattet ist, sonst aber ausreichend Sonnenlicht vorhanden ist.

Substrat

Wird die Dreimasterblume als Zimmerpflanze oder in einem Pflanzgefäß auf Balkon oder der Terrasse kultiviert, ist normale Gartenerde in der Regel nicht das geeignete Substrat. Die Pflanzen wachsen deutlich besser in einem Gemisch aus einer Vielzahl organischer und mineralischer Komponenten. Auf diese Weise bleiben die Pflanzen gesünder, langfristig blühwillig und sind besser vor Krankheiten oder einem Schädlingsbefall geschützt. Neben normaler humoser Blumenerde sollten folgende Komponenten enthalten sein.

Torfmoos

  • grobe Textur
  • leicht und steril
  • fördert die Belüftung
  • hält Feuchtigkeit gut
  • reguliert den Boden-pH-Wert

Perlite

  • besteht aus Gestein vulkanischen Ursprungs
  • bietet gute Drainage und Belüftung
  • sehr leicht
  • muss immer mit anderen Medien gemischt werden

Vermiculit

  • als Alternative zu Perliten
  • ist kompakter als Perlit
  • hält das Wasser gut
  • bietet dafür keine so gute Belüftung

Grober Sand

  • verbessert die Entwässerung
  • belüftet
  • keine Wasserspeicherkapazität

Alternativ können auch Kokohum oder grobe Rindenstückchen die Belüftung verbessern. Eine gute Erde kann im Fachhandel gekauft werden, ist aber auch aus einer Mischung bestehend aus etwa 60% humoser Blumenerde, 10% grobem Sand oder Splitt, 10% Perlite oder Vermiculit sowie 20% Torfmoos selbst herzustellen.

Tradescantia, Dreimasterblume gibt es auch als Zimmerpflanze

Pflanzzeit

Tradeskantien können entweder als Pflanze im Gartencenter gekauft oder auch aus Samen gezogen werden. Bereits vorgezogene Dreimasterblumen werden frühestens nach den letzten Frösten Mitte Mai oder alternativ Ende September bis Anfang Oktober ins Beet gepflanzt.

Wer die außergewöhnliche Dreimasterblume selbst aus Samen kultiviert, sollte diese etwa acht Wochen vor dem Auspflanzen säen (Mitte März). Eine Frühjahrssaat eignet sich auch für Zimmerpflanzen am besten, da zu dieser Zeit die Lichtverhältnisse optimal für das heranwachsende Gottesauge sind.

Pflanzen im Beet

Sobald die Temperaturen im Frühjahr dauerhaft frostfrei sind, kann die Dreimasterblume ins Beet oder auch einen Blumenkübel gepflanzt werden. Eine gute Bodenvorbereitung schafft beste Voraussetzungen für ein gutes Anwachsen und eine reichhaltige Blüte. Deshalb ist es sinnvoll, im Vorfeld das Beet gut durchzuharken und alte Wurzeln, Unkraut und Steine zu entfernen.

In humose, gut durchlässige Gartenerde kann die Pflanze direkt eingepflanzt werden. Sehr sandige Böden sollten mit einer guten Portion Kompost oder humoser Blumenerde verbessert werden. Schwere Substrate werden mit Sand oder Splitt durchlässiger.

  • Pflanzabstand: halbe Wuchshöhe
  • je nach Sorte zwischen 20 und 30 cm
  • bei schweren Böden Drainageschicht aus Kies oder Splitt einfügen

Drücken Sie die Erde leicht an und wässern Sie die Dreimasterblume durchdringend. Erhalten Tradeskantien in der Anfangszeit regelmäßig Gießwasser, bilden sich schnell neue Wurzeln aus. Die buschig wachsenden Pflanzen neigen zu raschem, flächendeckendem Wachstum, daher schließen sich anfängliche Lücken in kurzer Zeit. Damit das Gottesauge nicht nach einigen Jahren das Beet überwuchert, sollte es regelmäßig abgestochen oder gleich zu Beginn eine Wurzelsperre eingebaut werden.

Pflanzen im Topf

Alle Tradeskantien können in Zimmerkultur gehalten werden, besonders prädestiniert sind aber die Arten, die keine Fröste vertragen und deshalb ganzjährig warme Temperaturen benötigen. Die Pflanzen können bei warmem Wetter auch einige Tage oder Wochen an einem geschützten Platz im Freien verbringen.

Alle Pflanzgefäße müssen mit einem Drainageloch ausgestattet sein, damit überschüssiges Gießwasser ablaufen kann. In den Topf kommt zunächst eine Schicht Splitt oder Blähton für eine gute Drainage. Verwenden Sie ausschließlich hochwertiges Pflanzsubstrat oder eigene Substratmischungen, um der Pflanze beste Voraussetzungen für einen guten Start zu bieten.

Tradescantia blüht von Mai bis September

Gießen

Dreimasterblumen mögen es gerne etwas feuchter, allerdings nicht nass. Wässern Sie Ihre Pflanzen daher regelmäßig, vor allem solche Exemplare, die in Töpfen wachsen. Eine kurze Daumenprobe kann Aufschluss darüber geben, ob das Substrat noch genügend Feuchtigkeit enthält. Ist die obere Erdschicht bereits ausgetrocknet, benötigt die Tradescantia erneut Wasser.

Überschüssiges Gießwasser muss nach einigen Minuten aus dem Übertopf oder Untersetzter entfernt werden, damit es nicht zu Staunässe kommt. Freilandpflanzen brauchen nur in längeren Trockenperioden zusätzliches Wasser. Eine Schicht aus Mulch schützt vor zu rascher Austrocknung des Bodens.

Sukkulente Arten wie die Tradescantia navicularis oder die Tradescantia sillamontana werden etwas sparsamer gewässert, dürfen aber ebenfalls nie für längere Zeit austrocknen. Optimal ist ein erneutes Wässern, wenn das Substrat etwa zur Hälfte abgetrocknet ist.

Düngen

Beetpflanzen können durch eine Untermischung von Kompost im Frühjahr für die gesamte Saison mit Nährstoffen versorgt werden. Alternativ ist es auch möglich, etwas Hornspäne in die Erde einzuarbeiten. Kübelpflanzen oder Zimmerpflanzen werden in der Wachstumsphase zwischen April und August alle vier Wochen mit etwas Flüssigdünger für Blühpflanzen über das Gießwasser gedüngt.

Schneiden

Dreimasterblumen, die in der Wohnung wachsen, müssen nicht geschnitten werden. Die Pflanze verträgt Einkürzungen aber ganzjährig, wenn sie zu groß geworden ist oder ungleichmäßig wächst. Mehr als ein Drittel der Trieblänge sollte jedoch nicht abgeschnitten werden. Wird Verblühtes regelmäßig entfernt, blüht die Tradeskantie lange und ausdauernd.

Gartenpflanzen hingegen sollten einmal im Jahr radikal zurückgeschnitten werden. Zieht sich die Dreimasterblume im Herbst zurück und die Blätter verwelken, können alle oberirdischen Teile bis auf etwa 10 cm über Bodenniveau zurückgeschnitten werden. Dies darf jedoch nicht zu früh geschehen, denn nach der Blüte sammelt die Staude zunächst noch Nährstoffe in der Wurzel, damit sie im Frühjahr die Kraft hat, wieder gesund und kräftig auszutreiben.

Dreimasterblume wächst bis zu 60 Zentimeter hoch

Warten Sie also mit dem Rückschnitt, bis die Blätter verwelkt oder vertrocknet sind. Auch bei Freilandpflanzen sorgt das Herauszupfen der verwelkten Blüten für reichlichen Nachschub.

Überwintern

Eine Überwinterung ist bei der Dreimasterblume denkbar einfach. Zimmerpflanzen müssen lediglich etwas verhaltener gegossen werden, da die aktive Wachstumsphase ab September endet. Auch das Düngen wird bis zum Frühjahr eingestellt. Gartenpflanzen verbleiben an Ort und Stelle und benötigen an geschützten Plätzen keinen Winterschutz, da sie in der Regel Fröste bis etwa -20 Grad problemlos überstehen.

Kübelpflanzen können entweder ab Anfang September ins Haus geholt und warm überwintert werden oder an geschützter Stelle im Freiland überwintern.

  • Zimmerpflanzen: ganzjährig in der Wohnung, lediglich düngen einstellen
  • Beetpflanzen: an geschützten Stellen kein Winterschutz notwendig
  • alle anderen Pflanzen mit etwas Reisig oder Laub abdecken
  • Kübelpflanzen: auf Styroporplatte stellen, Kübel mit Vlies umhüllen

Ab Ende März oder Anfang April kann je nach Witterungsverhältnissen der Winterschutz entfernt werden. Im Haus überwinterte Dreimasterblumen werden ab Anfang Mai langsam wieder an die Außentemperaturen und die Sonne gewöhnt. Sie kommen bei warmem Wetter aber erst einmal tagsüber ins Freie, bevor sie ab Mitte März dann ganz draußen bleiben dürfen.

Vermehren

Tradeskantien können über Stecklinge oder auch durch Samen vermehrt werden. Am einfachsten ist die Vermehrung durch Teilung älterer Stauden.

Teilung

Da die Dreimasterblume ein kräftiges Wachstum an den Tag legt, sollte sie etwa alle drei Jahre geteilt werden. Diese Verjüngungskur fördert nicht nur die Blühwilligkeit, sondern produziert gleichzeitig eine zweite Pflanze.

  • Zeitpunkt: Frühjahr oder Herbst
  • mit einem Spaten den Wurzelballen durchtrennen
  • abgestorbene Wurzeln und Pflanzenteile abschneiden
  • beide Teile sofort wieder einpflanzen
  • etwas Kompost untermischen
  • gut angießen

Diese Methode hat den entscheidenden Vorteil, dass man bei der Teilung zwei Pflanzen mit denselben Eigenschaften erhält. Eine sortenreine Vermehrung ist durch selbst gesammelte Samen oft nicht möglich. Zudem haben die Pflanzen gleich eine bereits recht angenehme Größe.

Stecklinge

Das Gottesauge kann ganzjährig über Kopfstecklinge vermehrt werden. Dazu wird ein etwa 10 cm langes, kräftiges Triebstück geschnitten. Bei Freilandpflanzen ist eine Stecklingsvermehrung natürlich nur während der Vegetationsperiode möglich.

  • Zeitpunkt: ganzjährig (bevorzugt im Frühsommer)
  • Blätter auf dem unteren Drittel entfernen
  • 6 bis 8 Stecklinge in einen Topf stecken
  • Substrat: Torfmoos und Sand zu gleichen Teilen
  • Substrat leicht anfeuchten
  • hell aufstellen (ohne direkte Sonne)

Zeigt sich die Bewurzelung durch den Austrieb frischer Blätter, können die Stecklinge vereinzelt werden. Ab sofort werden die Jungpflanzen wie ausgewachsene Dreimasterblumen behandelt und gepflegt.

Samen

Reife Samen können gesammelt und ausgesät werden. Bei besonderen Züchtungen (Hybriden) ist die Wahrscheinlichkeit jedoch hoch, dass die Sämlinge bestimmte Eigenschaften der ursprünglichen Dreimasterblume nicht mehr zeigen, wie beispielsweise eine besondere Blütenfarbe. Die Vorkultur auf der Fensterbank beginnt etwa acht Wochen vor dem Auspflanzen, also Mitte März.

Die Samen von Freilandpflanzen können entweder im Herbst oder im März direkt ins Freiland gesät werden. Garten-Dreimasterblumen vermehren sich zuverlässig von ganz alleine durch Selbstaussaat, ohne dabei jemals invasiv zu werden und andere Pflanzen zu verdrängen.

  • Zeitpunkt: Mitte März (Freiland und Vorzucht)
  • Freiland auch im Herbst
  • Freiland: Saatreihen mit etwa 15 cm Abstand
  • Vorzuchttöpfe oder Zimmergewächshaus
  • Substrat: Anzuchterde
  • Substrat anfeuchten und Samen aufstreuen
  • Keimzeit: 10 bis 20 Tage
  • Standort: hell ohne direkte Sonne

Dreimasterblume mit Blüten in Blau, Violett, Rosa oder Weiß

Sorten

Bei den Tradeskantien unterscheidet man Arten, die ganzjährig warme Standorte benötigen (Zimmerpflanzen) und solche, die als Staude im Garten gepflanzt werden können, da sie winterhart sind.

Zimmerpflanzen (nicht frosthart)

  • Tradescantia blossfeldiana: sukkulente Art
  • Tradescantia discolor (Pupurblättrige Dreimasterblume)
  • Tradescantia fluminensis (Weißblütiges Gottesauge, Rio-Dreimasterblume)
  • Tradescantia navicularis: sukkulente Art
  • Tradescantia pallida (Rotblatt)
  • Tradescantia sillamontana: leicht sukkulent
  • Tradescantia zebrina (Zebra-Ampelkraut)

Gartenpflanzen (winterhart)

  • Tradescantia bracteata (Prärie-Dreimasterblume)
  • Tradescantia pilosa
  • Tradescantia subaspera
  • Tradescantia virginia (Virginia-Dreimasterblume)

Krankheiten

Neben der Pflegeleichtigkeit besitzt die Dreimasterblume – egal ob drinnen oder draußen kultiviert – eine weitere angenehme Eigenschaft: Sie wird nahezu niemals krank. Schließt man Pflegefehler wie Trockenheit und Staunässe einmal aus, sind bei Tradeskantien nahezu nie Krankheiten beobachtet worden. Verlieren buntblättrige Sorten ihre Farbe, steht die Pflanze zu dunkel.

Schädlinge

Bei Zimmerpflanzen kommen in seltenen Ausnahmefällen die üblichen Schädlinge wie Läuse oder Milben vor. Diese können im Anfangsstadium aber gut mit lauwarmem Wasser abgewaschen werden.