Apfelbaum schneiden

Der Apfelbaum versorgt uns mit dem beliebten, vitaminreichen, lagerfähigen und aromatischen Kernobst Apfel. Nicht nur die Köstlichkeit selbst, sondern auch der Apfelbaum verzaubert mit seinem Wuchs, den frühen, duftenden Blüten und seiner gestalterischen Vielfalt im Garten. Jedoch ist der Apfelbaum auch pflegeintensiv und benötigt, um seine volle Pracht und hohen Ertrag zu entfalten, einen wie hier beschriebenen, fachgerechten Schnitt.

Steckbrief

  • Pflanzenfamilie: Rosengewächse (Rosaceae)
  • Untertribus: Kernobstgewächse (Pyrinae)
  • Gattung: Apfel (Malus domestica)
  • Art: weltweit über 20 000 Kulturarten, in Deutschland circa 1 500 Arten heimisch
  • Herkunft: Asien
  • Kulturpflanze: Kreuzungen aus Malus sylvestris, M. praecox und M. dasyphylia
  • halbhohe und hohe sommergrüne Laubbäume
  • Wuchshöhe: Hochstämme 9 bis 15 Meter, ansonsten abhängig von Schnitt und Erziehung
  • Blütezeit: April bis Mai
  • Blüte: weiße bis rosa doldige Schirmrispen oder einzelständige Blüten, abhängig von der Art
  • Schnittzeit: November bis April und Juni bis August
  • Intersterilität ist häufig
  • Fremdbestäubung erhöht den Ertrag

Apfel am Apfelbaum

Die heutige Kulturpflanze Apfelbaum entstand vermutlich aus einer Züchtung von drei bis sechs Wildformen (Malus sylvestris, M. dasyphylia, M. praecox, M. baccata, M. sieversii und M. Orientalis ). Weltweit gibt es schon jetzt über 20 000 Arten, von denen jedoch nur ein Bruchteil vermarktet wird.

Zur leichteren Bewirtschaftung wurden seit den 60er Jahren die hochstämmigen Streuobstwiesen in Deutschland fast vollständig vernichtet und durch niedrigere Halbstämme und Apfel-Büsche ersetzt. Diese wurden dann zu Spindeln oder dekorativen Spalieren, wie sie noch in alten Hausgärten und Klöstern zu finden sind, erzogen. Noch minimalistischer sind die hochmodernen Apfelsäulen.

In Anbetracht der ökologischen Bedeutung der Streuobstwiesen werden in neuerer Zeit wieder vermehrt Hochstämme gepflanzt, die einen ganz anderen Pflege-Schnitt brauchen als die Spindel- und Spalierbäume. Da die Hochstämme dennoch nicht wirtschaftlich sind, werden Streuobstwiesen heute sogar gefördert.

Die Bäume tragen oft erst nach dem 12. Lebensjahr nennenswert Früchte und sind vor allem aufgrund der Wuchshöhe von bis zu 15 Metern aufwändiger im Pflegeschnitt. Dafür danken die Hochstämme es dem Gärtner mit hohem Ertrag, gesundem Blattwerk und einem schönen Schattenplatz. Richtig gepflegt, können selbst Kinder und Enkel sich noch an dem Apfelbaum erfreuen, denn die Lebenserwartung beträgt bis zu 100 Jahren.

Schnitt-Anleitung

Der Apfelbaum gilt als der Klassiker der einheimischen Obstgehölze. Doch während es ihn früher in fast jedem Garten gab, reduziert sich die Zahl des recht pflegeintensiven Kernobstes. Der richtige Schnitt ist nicht nur abhängig von der Jahreszeit, sondern auch von der Wuchsform (Hochstamm, Halbstamm, Spalier und Spindel sowie Säule) und nicht zuletzt von der Apfelsorte, denn spät reifende Äpfel erhalten ihren Sommerschnitt auch zu einem späteren Zeitpunkt.

Apfelbaum richtig schneiden

Arbeitsmaterial

Der Schnitt ins Holz ist vergleichbar mit dem Schnitt in den Finger. Die Verletzung schwächt den Baum und bringt ihn in Gefahr, denn über jede Schnittwunde können Krankheitserreger eindringen. Deshalb muss ein Schnitt möglichst glatt und keinesfalls mit einer schmutzigen Klinge erfolgen. Dabei ist Rost oder Sand an der Schnittfläche für den Apfelbaum das geringste Problem. Viel schlimmer sind Kleinstlebewesen wie Nematoden oder die Unmengen Bakterien und Pilzsporen, die das Holz abtöten können.

Eine Klinge muss vor jedem Schnitt gesäubert und desinfiziert werden und sollte außerdem gut geschärft sein, sodass die Schnittflächen nicht ausfransen. Es eignen sich neben Baumsäge und -schere, Hippe, Spannsäge sowie Fuchsschwanz. Auch wenn mehrere Obstbäume, unabhängig von der Art, beschnitten werden, gilt es, nach jedem Baumwechsel das Arbeitsmaterial zu säubern. Nur so wird verhindert, dass Krankheitserreger von Baum zu Baum getragen werden.

Pflanzschnitt

Das Auspflanzen bzw. Umpflanzen eines Apfelbaumes ist stets eine kritische Phase. Denn nicht nur, dass die kleinen Haarwurzeln verletzt werden, sondern auch der neue Standort mit veränderten Licht-, Nährstoff- und Wasserbedingungen sowie die Gefahr von Pilzbefall in den verletzten Wurzelteilen sind eine Herausforderung.

Damit der noch junge Baum dennoch problemlos anwächst, ist der Pflanzschnitt notwendig. Ohne diesen verdunstet zu viel Wasser über neu gebildete Blätter und der Baum droht trotz regelmäßiger Bewässerung zu verdorren. Eine Reduzierung der Ast- und vor allem Blattmasse verhindert dies und minimiert den Stress.

Der Pflanzschnitt setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Während der Mittel- oder auch Leitast in keinem Fall eingekürzt werden darf, da dies andernfalls das spätere Wachstum hemmt, sollte der Großteil der Nebentriebe weichen. Ausschließlich vier Seitentriebe dürfen dem Baum verbleiben, jedoch keine Wassertriebe. Wichtig ist, dem Baum eine merkliche Menge an Blatt- und Astwerk zu rauben. Die junge Krone sollte sich etwa um 1/3 verkleinern. Alle Äste werden großzügig direkt an der Basis mit scharfer Klinge abgeschnitten.

Unabhängig von der späteren Wuchsform ist immer der gleiche Pflanzschnitt vorzunehmen. Jedoch ist es bereits jetzt möglich, besonders Hochstämmen und Spalierobst die richtigen Grundlagen vorzugeben. Während beim Spalierobst vor allem gleichmäßige Seitentriebe gewünscht sind, muss bei einem Hochstamm die spätere Statik des Baumes beachtet werden.

Erziehungs- bzw. Formschnitt

Säulenbaum

Der Säulenapfelbaum ist in der Regel eine von sich aus schwachwüchsige Sorte, die zusätzlich über eine nur schwach treibende Unterlage verfügt. Er benötigt meist weder einen Erziehungs- noch Verjüngungsschnitt. Lediglich unerwünschte Seitentriebe werden direkt an der Basis gekappt, sodass weder Knospen noch Blattansätze zurückbleiben, da andernfalls an dieser Stelle vermehrt neue Triebe zu erwarten sind.

Apfelbaum im Garten

Jedoch ist das Ausdünnen der Fruchtansätze besonders beim Säulenbaum sinnvoll. Die geringe Ast- und Blattmasse kann nicht alle befruchteten Äpfel ausreichend versorgen, sodass kleine, trockene Früchte entstehen. Außerdem besteht durch zu viele Früchte die Gefahr der Alternanz, d.h. der Säulenbaum trägt im Folgejahr fast keine Früchte mehr. Daher werden stets mehrere Fruchtansätze abgeknipst, sodass pro Fruchtstand höchstens zwei Äpfel gebildet werden. Vergleichbares gilt für Halbstämme, Spindel- und Spalierbäume.

Hochstamm

Bei der Erziehung des Hochstammes ist Geduld gefragt. Bis sich eine ausladende Krone gebildet hat und für die meisten Hobbygärtner noch wichtiger, der Ertrag nennenswert ist, vergehen Jahre. Dafür wird ein langlebiger Baum erzogen, der später reichlich Früchte trägt. In den ersten extrem wichtigen Erziehungsjahren benötigt der Hochstamm jährlich einen sehr starken Rückschnitt. Dies regt das Wachstum einer üppigen Krone an.

Die Pyramidenkrone ist besonders stabil, sodass der erwachsene Baum später Stürmen und Orkanböen standhalten kann. Die Pyramide bildet sich aus dem Leittrieb und bis zu vier angrenzenden Gerüstästen. Sie müssen bereits während des Pflanzschnitts erhalten bleiben. Die ideale Pyramide bildet sich, wenn die vier Gerüstäste im 45°-Winkel zum Leittrieb stehen. Gelegentlich kann durch das Herabbinden von Ästen bzw. durch die Verwendung von Spreizhölzern diese Struktur erreicht werden. Die pyramidale Struktur vermag, die Last der Baumkrone zu tragen und ermöglicht gleichzeitig, Licht ins Zentrum vordringen zu lassen.

Weiterhin ist darauf zu achten, dass für die Bildung der Krone keine „Schlitzäste“ verwendet werden. Diese stehen in der Regel in einem sehr steilen Winkel zum Leitast und reißen besonders leicht. Durch geringfügigen Druck brechen sie jedoch nicht glatt ab, sondern schlitzen den Stamm auf. Daher sind „Schlitzäste“ nicht nur ungeeignet für die Kronenbildung, sondern werden frühestmöglich entfernt.

Blütenknospen am Apfelbaum

Zur Anregung des Wachstums werden alle erhaltenswerten Äste in den ersten sieben bis zehn Jahren jeweils im frostfreien Herbst/Winter um ein Drittel eingekürzt, jedoch nicht der Mitteltrieb. Dadurch treibt der Apfelbaum im darauffolgenden Frühjahr umso stärker aus. Beim Schnitt ist grundsätzlich darauf zu achten, keine endständigen Äste zu erzeugen. Der Saft muss immer auf einen lebendigen Ast abgeleitet werden. Nur so kann die Wunde verheilen und Fäulnisprozesse im Holz werden verhindert.

Spindel- und Spalierbäume

Beim Spindel- und Spalierbaum werden im ersten Jahr nach der Pflanzung die Seitentriebe in eine waagerechte Form gebunden. Alle schräg wachsenden Äste, sowie alle senkrecht nach oben zeigenden Triebe werden bündig abgeschnitten. Die Kürzung des Leittriebes erfolgt hingegen erst, wenn die gewünschte Wuchshöhe erreicht ist, da dies das Längenwachstum nachhaltig bremst.

Die waagerecht gebundenen Äste benötigen in den ersten Jahren häufig noch keinen Schnitt. Ab dem dritten Jahr ist alle zwei Jahre im Herbst oder zeitigen Frühjahr der Erziehungsschnitt notwendig. Die Äste sollten dabei laubfrei sein und es dürfen keine Minustemperaturen herrschen.

Rinde des Apfelbaums

Beim Erziehungsschnitt werden die Äste um circa ein Drittel eingekürzt und alle senkrechten Triebe entfernt. Dies fördert das Wachstum, verjüngt das Holz und trägt zu einem höheren Ertrag bei. Möglicherweise entstehende Wassertriebe können auch im Zwischenjahr herausgeschnitten werden.

Anders als Hochstämme tragen Spindel- und Spalierbäume viel früher Äpfel. Das Herabbinden der Äste führt zu einer besseren Nährstoffversorgung der Blüten und Früchte, denn der „Saftdruck“ verteilt sich gleichmäßiger als in der traditionellen Wuchsform. Das Ausdünnen der Blüten ist in der Regel nicht notwendig, da ohnehin die Hälfte durch ein Hormon im Wachstum gehemmt wird.

Im höheren Alter entstehen vermehrt senkrecht stehende Triebe, die der Sonne entgegen streben. Diese müssen zur Erhaltung der Form jährlich bis zweijährlich entfernt werden. In der Regel wird dies im Sommerschnitt zwischen Juni bei frühtragenden Apfelsorten und August bei besonders späten Sorten realisiert. Dies verhindert, dass die Kraft des Baumes bei der Bildung neuer Zweige verschwendet wird. Die Äpfel werden durch den Sommerschnitt größer, saftiger und süßer.

Anstatt eines regelrechten Sommerschnitts ist auch der „Juniknip“ möglich. Dabei werden die noch sehr dünnen, nicht verholzten Äste nicht geschnitten, sondern einfach herausgebrochen. Dies verhindert zum einen, dass durch die Schere Krankheitserreger in die Wunde getragen werden und aktiviert zum anderen die Selbstheilungskräfte des Baumes. Denn der „Knip“ verheilt deutlich schneller als eine gerade Schnittwunde.

frische Blätter am Ast eines Apfelbaums

Auslichtungs- bzw. Verjüngungsschnitt

Hochstamm

Beim Hochstamm, aber auch beim Halbstamm sind Auslichtungs- bzw. Verjüngungsschnitte notwendig. Dabei werden nicht nur kranke und morsche Äste, die herabzufallen drohen und zudem eine offene Tür für Krankheitserreger sind, entfernt, sondern auch vollkommen gesunde Baumteile gekürzt.

Eine alte Gärtnerweisheit sagt, dass die Baumkrone licht und offen sein sollte, sodass ein Hut durch sie hindurch geworfen werden kann. Dies führt dazu, dass der Baum aufgrund seines geringeren Blattvolumens weniger Wasser verdunstet und so seine Früchte besser versorgen kann. Außerdem dringt die Sonne bis in die Kronenmitte vor und lässt die Früchte gleichmäßig ausreifen.

Apfelbaum nur mit scharfem Werkzeug verschneiden

Daher ist in regelmäßigen Abständen, abhängig von Wachstumsgeschwindigkeit und Alter, alle ein bis drei Jahre ein Auslichtungschnitt im Herbst oder zeitigem Frühjahr notwendig. Dafür werden nicht nur alle Wassertriebe entfernt, sondern auch jedwede nach innen wachsende Äste herausgenommen, da diese Konkurrenztriebe in direktem Wettbewerb um die begrenzte Ressource Sonnenlicht stehen.

Wichtig zu wissen ist, dass nach starkem Rückschnitt ein verringerter Ertrag im ersten Jahr zu erwarten ist. Dies ist zum einem durch die reduzierte Astmasse, aber vor allem durch Verletzungen von Knospen zu erklären. Dennoch sind Verjüngungsschnitte notwendig, da die Krone ansonsten zuwuchert, was den Ertrag ebenfalls negativ beeinflusst.

Spindel- und Spalierbäume

Ein starker Rückschnitt zur Verjüngung ist bei Spindel- und Spalierbäumen meist unnötig bzw. sogar hinderlich. Hohe Erträge stellen sich durch regelmäßige Schnitttätigkeiten in den Sommermonaten ein. Lediglich zu lange Seitentriebe werden alle zwei Jahre im Herbst gekürzt.